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Die alten Schulhäuser von Thaleischweiler

Festschrift - Einweihung Volksschule Thaleischweiler 1963 - Zur Verfügung gestellt von Karl-Heinz Weber 

Die Geschichte von Thaleischweiler erzählt schon sehr früh von Schulen und Schulhäusern. So soll schon um das Jahr 1 000 hier eine Klosterschule bestanden haben. „Den Mönchen lagen die Hauptaufgaben, die Bekehrung der Landbewohner zu einem wahrhaft tief innerlichen Glauben ob durch öffentliche Predigt, wie auch durch die Klosterschule" (Pfarrbeschreibung der prot. Pfarrei Thaleischweiler). Nach derselben Quelle wurde 1566 ,des Kloster aufgelöst und eine lutherische Pfarrei errichtet. Das Schulhaus wurde sicher von den Lutheranern in Gebrauch genommen".
Erst 1719 lesen wir in den Annalen von einem Schulhausneubau. „Die lutherische Gemeinde erstellte in diesem Jahr ein. neues Schulhaus (das jetzige Haus Levy), das schon 1827 eine Erweiterung erfahren. mußte". Es hat alle Stürme der Zeit überstanden und ist heute noch als Fachwerkbau links vom Eingangstor zur protestantischen Kirche, leider verputzt, zu sehen.

hauslevy-400 Altes_kath_Schulhaus_400 

 Auch die jüdische Kultusgemeinde besaß. schon in der ersten Hälfte des 19.. Jahrhunderts ein eigenes Schulhaus. Es stand mit der Längsseite ran der Hauptstraße gegenüber der Metzgerei Zink. Es war ein schlichter, zweistöckiger Bau mit einem Schulsaal im ersten Stock und der Lehrerwohnung im. Erdgeschoß. Die Judenschule wurde im Jahre 1878 aufgehoben und der Bau von der israelitischen Kultusgemeinde an Privatleute vermietet. Die Errichtung der katholischen Kirche 1929/31 verlangte einen Aufgang zum Gotteshaus. Aus diesem Grunde erwarb die katholische Kirchengemeinde die alte Judenschule zum Abriß.
Am 9. August 1879 gingen die beiden oben beschriebenen Schulhäuser (kath. und prot.) um die Gesamtsumme von M 4 195 in Privathand über. .
Sie waren überflüssig geworden, weil von der politischen Gemeinde in den Jahren 1877/78 ein neues Schulhaus erstellt wurde, in dem bis Ostern 1963 der Unterricht stattfand. Im Vergleich mit den bisherigen Schulhäusern bezeichnet es die Chronik als „Schulpalast". Die Schulanlage umfaßte 1 Schulgebäude, Abortanlage und Ökonomiegebäude. Das Schulhaus enthielt im Erdgeschoß 2 Lehrerwohnungen (prot. u. kath.) und im Obergeschoß 1 Dienstwohnung für einen ledigen Lehrer bestehend aus 2 Räumen, und 3 Lehrsälen. Das Bauprojekt verursachte einen Kostenaufwand von RM 32 824,43. Somit lag die Bausumme unter dem Kostenvoranschlag von RM 38 500. Vielleicht blieb die Ausführung deshalb billiger, weil weniger gutes Material verwendet wurde, was sich beim Abriß 1959 einwandfrei herausstellte. Aus damaliger Zeit lebt heute noch eine kleine Anekdote unter ,der Bevölkerung fort. Den Leuten schien die Qualität :des Mörtels zu gering. Da man sich über die Weiterverwendung im Unklaren war, reiste eine Kommission mit einer „Speißprobe" an die Regierung nach Speyer am Rhein. Die hohe Behörde fand das Bindemittel gut und die Gemeinde mußte sich idem Urteil fügen. Ob aber derselbe „Speiß" weiterverwendet wurde, sei dahingestellt.
Mit dem Winterhalbjahr 1878 begann in der neuen Schule der Unterricht. Somit war ein großer Mißstand im Schulleben. der Gemeinde beseitigt. Die 3 Konfessionen benützten das gleiche Haus zum Unterricht. Das zweistöckige Gebäude iin seiner quadratischen Form und mit seinem vierseitigen Dach stellte im Vergleich mit den ortsüblichen Häusern einen repräsentativen Bau dar, der seine gute Wirkung auf das, Ortsbild nicht verfehlte.

Schulpalast_1878_400  ehemaliger schulplalast_400 

 

In der Folgezeit verursachte das scheinbar stabile und stattliche Gebäude der Gemeinde großes Kopfzerbrechen und unvorhergesehene, finanzielle Schwierigkeiten.
Schon am 17. März 1880 stürzte die Stützmauer ein, die den Hof gegen den Berg abschloß. Über die Ursache des Einsturzes gab es einen Meinungsstreit. Zunächst erklärte die Gemeindeverwaltung technische Fehler bei der Errichtung der Mauer (Fehlen der Schweißlöcher, zu geringer Druckfestigkeit gegen den Berg und mangelhafter Verband des Mauerwerks) als Schuld. Schließlich kam man zu der Ansicht, daß die schie£rigen Felsanfänge hinter der Mauer zu viel Wasser gegen dieselbe ableiteten, das sich zwischen Stützmauer und Erde sammelte und sie eindrückte. Nach langen Verhandlungen mit der Baubehörde mußte der „Bauschaffner" Schmitt die Mauer auf eigene Kosten wieder errichten. Am 13. Januar 1881 war sie neu erstellt.
Schon ab 1895 waren Reparaturen und kleine Umän~derungsanbeiten im Schulhaus notwendig geworden: Abriß von Zwischenwänden, Ausbrechen von 4 Ventilationsöffnungen, Herstellung von Entlüftungsanlagen, Entfeuchtungsanlagen, Unterkellerung der katholischen Lehrerwohnung und Herausreißen des faulen Sandsteinbelages. Außerdem sollten die Grenzmauer zwischen Schul- und Pfarranwesen und die Scheune beseitigt werden. 1898 war ein. Großteil der Arbeiten erledigt.
Am B. Juli 1909 wurde an der protestantischen Schule eine 3. Lehrerstelle errichtet. Ein neuer Lehrsaal war notwendig geworden. Er wurde dadurch gewonnen, daß die Verweserwohnung ,aufgehoben und durch Herausnehmen der Zwischenwand in einen Schulsaal umgewandelt wurde.
1913 bestanden 4 protestantische und 2 katholische ,Lehrstellen. Da nur 4 Lehrsäle vorhanden waren, mußte damals an jeder der beiden Schulen Schichtunterricht eingeführt werden.
Um diesen Übelstand zu beseitigen, beabsichtigte die Gemeinde, noch vor dem Krieg 1914/18, ein neues Schulhaus zu bauen. Der Baubeginn; sollte im Juli 1914 sein. Als Baugelände waren die gemeindeeigenen Äcker am Pfaffenrech vorgesehen. Dazu gehörten die heutigen Gärten des Beamtenhauses und das übrige Ackerland zwischen Pfaffenrech und Schulstraße, die durch ,diese Planung ihren Namen erhielt. Der Plan des Neubaues lag bereits vor.
Als am 26. Juni 1922 das Bezirksamt Pirmasens die Gemeinden aufforderte, Zuschüsse zu Bauarbeiten, die bereits begonnen oder nahe bevorstehen, zu beantragen, ergriff die Gemeinde die Gelegenheit, neuen Schulraum zu beschaffen. Sie bat um einen Zuschuß zum Bau von. Lehrerwohnungen. Durch diese Maßnahme sollten neue Lehrsäle entstehen. Im Jahre 1923, dem Jahr des passiven Widerstandes und damit dem Höhepunkt der Inflation und Arbeitslosigkeit, wurde das „Beeamtenhaius" am Pf affenrech erstellt. Die Dienstwohnung der katholischen Schule wurde wohl frei, weil ihr Inhaber in das neue Haus einzog. Der frei gewordene Raum wurde zu einem Teil von der Gemeindeverwaltung als Büro und Archiv, zum andern .als Hausmeisterwohnung verwendet. Die protestantische Dienstwohnung blieb weiterhin im Schulhaus bestehen. Die Schulraumnot war aber nicht behoben. Die 'Lehrkräfte und die Gemeindeverwaltung bemühten sich weiterhin, dem Übelstand abzuhelfen. So entschloß man sich. im Jahre 1925 zu einem Generalumbau des Schulhauses, zumal sich in dieser Zeit das angrenzende Pfarrhaus zum Kaufe anbot. Die politische Gemeinde erwarb es für RM 16 000. Im Erdgeschoß richtete sie ihre Büroräume ein und den 1. Stock bezog der In.h.aber der protestantischen Dienstwohnung. Endlich war das Schulgebäude vollständig für schulische Zwecke frei.
Im Spätsommer 1926 wurde der umfangreiche Umbau in. Angriff genommen. Nach den Sommerferien mußten alle Klassen ausquartiert werden, in das Schulhaus in Thalfröschen und in Wirtshäuser. Die Arbeiten zogen sich monatelang hin. Sobald ein Saal fertiggestellt war, wurde er bezogen. In diese Zeit fällt auch der Einbau der Dampfheizung. Am 1. November 1926 wurde sie versuchsweise in Betrieb gesetzt, wobei es sich herausstellte, daß der Abzugskamin für den Heizkessel zu eng war und deshalb -ein neuer Kamin errichtet werden mußte. Die urn ehemaligen Pfarrhaus bereitgestellte Wohnung in 2 Lehrsäle umgewandelt. Zu gleicher Zeit ersetzte man die Holztreppe zum 1. Stock durch eine Kunststeintreppe. Während oder Herstellungsarbeiten führte ein Notaufgang zu den Schulsälen im Obergeschoß durch das Treppenfenster an der Westseite. Durch diese „Rutschbahn", die den Schulkindern viel Spaß bereitete, konnte der Schulbetrieb aufrecht erhalten werden.
Am 1. September 1927 war der große Umbau abgeschlossen. Während iaer Ferien waren Säle und Gänge neu getüncht, Fenster, Türen und Schränke neu gestrichen, 3 Tische, 3 Schränke und neue Bänke für 2 Säle angeschafft worden. Endlich hatte jede Klasse ihren eigenen Saal. Die Hausmeisterwohnung verblieb weiterhin im Erdgeschoß und bis 1941 von dem Hausmeister bewohnt. In diesem Jahr nahm die NSDAP ,die Räume für ihre Zwecke in Anspruch. 1945 wies die Gemeinde die Zimmer einer wohnungslosen Familie als vorübergehende Unterkunft an. Zwei, Jahre später wurde diese Wohnung in einen Schulsaal umgebaut, Nachdem das Haus hergerichtet war, erweiterte man, den Schulhof und vergrößerte die Abortanlage. Die Gesamtkosten betrugen RM 61245,76. Bei dem hohen Kostenaufwand liegt der Gedanke nahe, ob ges, nicht weitsichtiger gewesen wäre, schon damals eine neue Schulanlage zu erstellen, zudem die Außenmauern, besonders an der Südfront-Straßenfassade schon jahrelang bauliche Schwächen aufwiesen. Letztere zeigte iin der Mitte eine Wölbung nach außen und war seit 1927 durch einen Eisenzug mit der Mauer .an der Rückseite verbunden. Auch fehlten jegliche Nebenräume, sowie ein Lehrerzimmer.
1951 wurde wieder eine Renovierung des Baues. notwendig, Erneuerung des Bodenbelags im Eingang. Ausbesserung ider Wände und Fenster und neuer Wandanstrich im Innern. Die Arbeiten verschlangen DM 8 520. Trotz dieser Ausbesserungsarbeiten drängte die Schulbehörde weiterhin auf die Errichtung eines neuen Schulhauses.
Nach einer ,gründlichen Überprüfung des Gebäudes idurch die Kreisbaubehörde am 9. und 12. Februar 1959 stellten sich solche groben Mängel heraus, daß sie keinerlei Haftung mehr übernahm. Sie erklärte das Haus für baufällig und ordnete die Räumung an. Alle Klassen zogen abermals in die Fremde. Inzwischen versuchte die Gemeinde dem alten Bau durch Betonstützen neue Festigkeit zu geben. Die Baubehörde forderte die Einziehung einer Betondecke über dem, Erdgeschoß. Es fand sich aber keine Baufirma bereit, ohne Abnehmen. des Daches. die Arbeit auszuführen. So war die Gemeinde gezwungen, das Dach abnehmen zu lassen. Dabei fielen die Seitenmauern des Obergeschosses teilweise .auseinander und das Obergeschoß mußte abgetragen werden. Dem Gebäuderumpf wurde ein Lattenbinderdach aufgesetzt, eine leichte Decke eingezogen und die restlichen 4 Säle zum unterrichtlichen Gebrauch hergerichtet.
An Stelle dies „ehemaligen Palastes" stand gleich einem Zwerg das Restgebäude, das von ,allen Vorübergehenden belächelt wurde.
Am 10, Dezember 1959 konnte darin der Unterricht wieder aufgenommen werden. 8 Klassen in 4 Sälen bedingten aber Wechselunterricht mit auf 45 Minuten verkürzten Unterrichtsstunden. Da jegliche Nebenräume fehlten, konnte das Schulinventar nicht einmal notdürftig untergebracht und mußte außerhalb des Hauses verlagert werden.
Inzwischen wurde die neue Schulanlage geplant und erstellt, so daß am 23. April 1963 der Umzug in die neuen Räume erfolgen konnte.
Jahrzehntelanges Ringen um geordnete Schulverhältnisse in der Gemeinde Thaleischweiler fand hiermit einen befriedigenden Abschluß.

 
 

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Das Gebäude stand  gegenüber Metzgerei Zink, dort wo heute die Allee zur kath. Kirche führt.

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