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Das Steinenschloß
Heimatkalender für das Pirmasenser und Zweibrücker Land 1987 - Von Friedrich Lüder

 

Die geschichtliche Überlieferung der Burg ist sehr lückenhaft. Nach ihrer Zerstörung ist der ursprüngliche Name nicht mehr beurkundet. Als frühere Namen sind „Hohenstein" und „Atzenstein" vermutet; das ist aber abwegig, denn Hohenstein ist eine Wüstung bei Schopp, und der Atzenstein erhebt sich als Felsen in der Gemarkung Höheinöd. Im Volksmund heißt die Burg oft fälschlicherweise Römerkastell, zurückzuführen auf die in der Umgebung gemachten Funde, die das Bestehen einer größeren römischen Anlage von der fränkischen und salischen Zeit des Steinenschlossesannehmen lassen. Auch mit Hilfe geschichtlichen Kartenmaterials kann man keine genaueren Aufschlüsse über das Steinen-schloß gewinnen. So ist es doch z. B. erstaunlich, daß diese Burg, eine der mächtigsten in unserem Raum, auf alten Karten nicht aufgeführt ist, während der Gräfenstein, der auch zeitweise im Besitz der Saarbrücker Grafen war, und der Wilenstein sowie das Lemberger Schloß genannt sind. Die eindeutige Zugehörigkeit des Steinenschlosses zu bestimmen, wird durch die Grenzlage erschwert: Zwischen B. und 12. Jahrhundert treffen am Schloßberg die Grenzen von Wormsgau, Bliesgau und Speyergau'zusammen. Seit dem 13. Jahrhundert gehört die Burg zum gemeinschaftlichen Besitz der Grafschaften Leiningen ünd Zweibrücken-Bitsch, ab 1570 Hanau-Lichtenberg. 1564 erscheint in einer Niederschrift im Zusammenhang mit der Erwähnung der Wüstung Steinen, Steigen oder Stegen, einem Ort im Tal unterhalb des Schloßberges, die Bezeichnung „Steiner-Schloß".
Inder Folgezeit ist über die Ruine nichts mehr bekannt, sie befindet sich heute im Staatlichen Besitz und wird vom Landesamt für Denkmalspflege, Mainz, verwaltet. In pfälzischen Geschichtswerken wurde mehrfach der Rest eines mächtigen runden Turmes erwähnt, der bis Ende des 19. Jahrhunderts in beträchtlicher Höhe aus dem Schuttkegel herausragte. Bedauerlicherweise wurde die Bedeutung der Ruine in den letzten Jahrhunderten verkannt, denn sonst wäre der größte Teil der Anlagen besser erhalten geblieben. Ohne staatlichen Einspruch, vielleicht auch mit Duldung, haben geschichtlich uninteressierte Leute die Ruine als Steinbruch benutzt, passende Steine zum Hausbau verwendet. So soll sogar die alte Friedhofsmauer in Thaleischweiler mit Steinen vom Schloß erbaut worden sein. Die beim Bahnbau benutzten Steine, Ende des 19. Jahrhunderts, scheinen von der Burg zu stammen; auch beim Erweiterungsbau des Bahnhofs Pirmasens-Nord sind nach Zeugenaussagen Steine von der Burg verwendet worden. Die Tatsache, daß eine Ansichtskarte aus dem Jahre 1875 existiert, auf der der Turm noch in stattlicher Größe zu sehen ist, bestätigt diese Annahmen.
Der äußere Bering hat im Grundriß etwa die Form eines Bügeleisens, dessen Spitze nach Süden zeigt. Er ist in seinem Verlauf dem Gelände der Bergnase angepaßt. Die Länge der Anlage mißt 70 m, die größte Breite etwa 46 m. Das durchgehend 1,80 m starke Außenmauerwerk besteht aus glatt behauenen mittelgroßen Sandsteinquadern salischen Ursprungs, an der Nordseite bis 2,50 m, in der frühstaufischen Zeit z. T. durch Buckelquader ergänzt. Dem Mauerwerk an der Bergseite (Angriffsseite) ist der Anlage nach Norden ein schon stark abgeflachter Halsgraben vorgelegt, durch den heute_der Fahrweg verläuft. Der ursprüngliche Burgweg führte offenbar an dem westlichen Berghang entlang zur etwa 3,00 m breiten Toranlage. Im Torbogen befindet sich eine rechteckige beckenförmige Vertiefung mit einer nach außen führenden Wasserablaufrinne. Im Felsblock vor dem Tor, der durch einen 14 cm breiten Riß von dem Felsmassiv getrennt ist, sind drei Vertiefungen zu erkennen, die wahrscheinlich als Brückenauflage dienten. Im Innern der Toranlage schließen sich beidseitig Räume an, von denen der westliche (Wachraum?) noch am besten erhalten ist. In der Nordwestecke der Unterburg befindet sich das Erdgeschoß eines größeren Gebäudes von 10 m Länge und 6,60 m Breite, mit der Türöffnung an der Südostecke. Nach Norden lehnt sich der Raum dem Fels an, die über 1 m hoch erhaltene Sandsteinmauer an der Südseite reicht bis zum Bering. Weitere Mauerzüge im unteren Burgbereich sind im Schutt erkennbar. Die Gebäude fanden wahrscheinlich als Vorratsräume und Stallungen Verwendung. Im Bauschutt vor dem Tor waren elf Torbogensteine freigelegt, die eine Berechnung der Torbreite und nach Anfertigung der fehlenden fünf Steine den Aufbau im Jahr 1982 ermöglichten. Von der Unterburg aus erreicht man den oberen Burgbereich durch eine 2,50 m breite, in den Fels gehauene Auffahrt. Ostwärts dieses Weges liegt eine rechteckige Zisterne (1,75 m breit, 2,25 m lang, 1,80 m tief), deren Nord- und Ostwand vom Fels gebildet, während die beiden anderen Wände mit Sandsteinen gemauert sind. In der Mitte der Nordseite, wo die Ringmauer rechtwinklig getrennt ist, steht der Rest eines gewaltigen Rundturmes, wahrscheinlich zur Verstärkung der Anlage im Laufe des 12. Jahrhunderts erbaut (Rundturm und Teile der nördlichen Ringmauer aus frühstaufischer Zeit, die übrigen Teile bereits Ende des 11. Jahrhunderts entstanden). Die lichte Weite dieses „Berchfrits", einem der größten Rundtürme im Pfälzer Raum, beträgt 8,50 m. Das 2,50 m starke Mauerwerk besteht aus mächtigen, gebuckelten Steinquadern mit Randschlag (bis 1 m lang und 55 cm hoch), jedoch ist bis jetzt nur das Mauerwerk an` der Nord- und Westseite teilweise sichtbar. Im Nordostteil der Burg auf dem oberen Felsmassiv sind Mauerzüge erhalten von Wohnbauten (offenbar der Palas), bestehend aus zwei quadratischen Räumen, denen sich südlich ein langgestreckter und noch ein quadratischer Raum anschließen. Im zweiten Raum der Südwand sind Säulenbasen zu erkennen, dazwischen ist die Wand ausgebrochen. Im Mauerkern wurden römische Baukeramik und Stücke von römischem Estrich (in Zweitverwendung) freigelegt. Die Bausubstanz deutet auf eine Kaminanlage hin. Ein schmaler Gang, der den Räumen vorgelagert ist, weist Türen zu zwei der Räume und nach Süden und Westen in den Burghof aus. Die Türgewände zeigen einen einfachen Rücksprung, ihre Stürze sind nicht erhalten. Sämtliche Innenmauern haben eine Stärke von ca. 90 cm und sind mit dem Bering nicht verzahnt. In der ostwärtigen Außenwand führt ein etwa 25 cm breiter und 80 cm langer rechteckiger Schacht nach unten, der sich in einem nischenartigen, aus Keilsteinen gemauerten, Rundbogen öffnet. Der gut erhaltene Bogen wurde 1965 zerstört, ist aber im Zuge der Restaurierungsarbeiten 1981 wieder hergestellt worden. In diesem Bereich ist ein rechteckiger Raum, etwa 3 x 3,50 m vorgebaut. Anschließend ist in Verlängerung, an das Felsmassiv angeschlossen, 1977 ein weiterer Raum in denselben Ausmaßen freigelegt, an dessen Boden nach Norden die Mauer einen Durchbruch aufweist.
Über die Bedeutung der beiden Baulichkeiten gibt es unterschiedliche Meinungen. Zweifelsohne war der zuerst erwähnte Raum kein Abortturm, wahrscheinlich aber ein Heizraum, von dem über eine Nische im Schacht ein Teil des Palas beheizt wurde. Ob es sich bei dem zweiten Anbau um eine Abortrinne handelt, erscheint ebenfalls fraglich, allein der Mauerdurchbruch ist kein Beweis dafür. Die freigelegten Bodenschichten haben diesbezüglich keinen Hinweis erbracht (Fäkalienreste).
Nach der angenommenen Zerstörung der Burganlage im Jahr 1168 begann der Zahn der Zeit an den Ruinenresten zu nagen. Im Verlauf der Jahrhunderte versanken die noch verbliebenen Mauerreste unter einem Schuttberg von Bausubstanz, der durch Bäume, Sträucher und Waldpflanzen die Burgreste ungehindert in einen Dornröschenschlaf versetzte.
In den Jahren 1896/97 fanden erstmals nachweisbar durch Prof. Mehlis aus Neustadt und Forstamtsassessor Dr. Rüger aus Thaleischweiler Grabungen statt, die aber wegen fehlender Geldmittel abgebrochen wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 50er Jahren, war es der Arzt Dr. L. A. Hoffmann, Rodalben, der unter Aufsieht des Amtes für Vor- und Frühgeschichte, Speyer, Freilegungen ausführte. Die Tätigkeit Dr. Hoffmanns regte allgemeines Interesse an, so daß in den
60er Jahren beim Pfälzerwaldverein Rodalben Möglichkeiten zu Freilegungsarbeiten am Steinenschloß erwogen wurden, die aber erst im Jahr 1967 in Zusammenarbeit mit dem historischen Verein Pirmasens zu konkreten Vorstellungen führten.
Im zeitigen Frühjahr 1968 wurden die Freilegungsarbeiten begonnen, nachdem zuvor eine Absprache am Ort mit dem Leiter des Amtes für Vor- und Frühgeschichte, Dr. Karlwerner Kaiser, Speyer, in Gegenwart von Kreis-, Gemeinde- und Vereinsvertretern (Hist. Verein Pirmasens und Pfälzerwaldverein Rodalben) sowie aus Bevölkerungskreisen stattgefunden hatte.
Die Arbeitsgruppe interessierter Heimatfreunde aus Rodalben, Pirmasens und Thaleischweiler setzte sich zum Ziel, durch systematische Ausgrabungen neue Erkenntnisse zur Geschichte der Burg zu erlangen und die Ruinenreste zu sanieren.
In den nachfolgenden Jahren und seit Gründung des Burgvereins „Steinenschloß" im Jahr 1973 sind auf ehrenamtlicher Basis wesentliche Fortschritte erzielt worden, unterstützt durch Mitgliedsbeiträge, Spendenaufkommen von Burgfreunden, den umliegenden Gemeinden und finanzielle Hilfe der Orts-, Kreis- und Landesbehörden. Auch das Arbeitsamt war durch Bewilligung von bisher 8 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen an den Erfolgen beteiligt. So stellen sich heute, bis auf den Turmbereich, der Bering und die zum größten Teil restaurierten Grundmauern im Innenbereich in ansehnlicher Form dar. Bei Freilegungsarbeiten im Innen- und Außenbereich an der West- und Nordmauer konnten weitere aufschlußreiche Funde geborgen werden, die ebenfalls' auf ihren Ursprung im 11. und 12. Jahrhundert hinweisen.
Entgegen verschiedener Verlautbarungen in Presse und Fernsehen werden die Arbeiten am Steinenschloß nach Auswertung der vorhandenen Unterlagen von dem Burgverein und freiwilligen Helfern nach Anweisungen des Landesamtes für Denkmalspflege, Mainz, und seiner Außenstelle, dem früheren Amt für Vor- und Frühgeschichte, sowie dem staatlichen Hochbauamt Kaiserslautern durchgeführt.
Zur Besonderheit der im romanischen Baustil erbauten Burganlage gehört, wie schon erwähnt, der Bergfried. mit seinen salisch-staufischen Bauelementen, der als einer der mächtigsten Rundtürme in unserem Raum mit den Burgenbauten über unsere pfälzischen Grenzen hinaus zu vergleichen ist.
In seinem Buch „Burgen und Schlösser in der Pfalz" beschreibt Prof. Günter Stein, Speyer, im Zusammenhang mit seinen Erläuterungen zum Steinenschloß Ausmaße von Turmbauten im mitteldeutschen Raum (z. B. Neuenburg — Freyburg/Unstrut, Burg Anhalt — Selketal/Ostharz, Rothenburg am Kyffhäuser, Falkenburg sowie Ober- und Unterburg Kyffhausen, Todeman bei Rinteln/Weser, Frankfurt/Main, Homburg-Spessort bei Holzminden, Lohra in Sachsen, Weißensee in Thüringen, Ebersburg am Südharz) und führt dazu aus:
, ,Im ganzen betrachtet, erscheint es offensichtlich, daß bei Anlage des ‚Steinenschloß' sehr starke Einflüsse vom mitteldeutschen sächsisch-thüringischen Raum hierher in den südwestdeutschen Bereich übertragen worden sind, ob durch einen Baumeister — wie beim , Schlössel ` — drängt sich hier der Name des Burgen- und Dom-Architekten Heinrichs IV., des Bischofs Benno von Osnabrück, auf— oder durch eine wandernde Baugilde, das sei dahingestellt. In salischer Zeit, unter Heinrich III. (Goslar) oder Heinrich IV. und Heinrich V. wären solche Beziehungen zwischen diesen beiden weitauseinanderliegenden Bereichen, dem thüringisch-sächsischen und dem pfälzischen, eben durch die machtvolle, verklammernde Politik der Salier nicht eben unverständlich."
Im Verlauf der Freilegungsarbeiten sind aus dem Bau- und Brandschutt zahlreiche, Funde geborgen: Keramikscherben, darunter eine Ofenkachel, Knochenreste, Spielsteine aus Sandstein, ein Spielstein aus Hirschgeweih mit geschnitzter Verzierung, Spinnwirtel, Sporen, Steigbügel, Eisenkeile, Nägel, Haken, Pfeilspitzen, Messerklingen, Türgriffe und Schlüssel, Zierbeschläge aus Bronze (vergoldet). Zu den besonderen Funden gehört ein Doppeladler aus vergoldeter Bronze, vermutlich auch ein Zierbeschlag. — In der Heraldik und Siegelkunde ist der Doppeladler als Wappentier und Siegel verschiedentlich nachgewiesen. Wie die Heimatschriftstellerin Thea Haupt berichtet hat, wurde der Doppeladler schon vor der Jahrtausendwende bei dem indogermanischen Volk der Hethiter in Ostanatolien verwendet und später als Legionsadler bekannt. Unter den Franken um die Mitte des 7. Jahrhunderts verwendete die Beamtenschaft den Doppeladler als Siegel. Im Mittelalter, 1185 nachweislich bei den Grafen von Saarwerden, während der Regierungszeit Friedrichs H. von Hohenstaufen (1212-1250), und seinem Nachfolger Conrad IV. und später taucht der Adler bzw. der Doppeladler als Wahrzeichen bei Königen und Kaisern auf. Im Wohntrakt der Oberburg konnte bei früheren Grabungen ein Mainzer Silberpfennig des Bischofs Stephan von Bar aus den Jahren 1120-1130 geborgen werden. Gefunden wurde außerdem ein aus Stein gefertigtes Werkstück mit rundbogigem Schlitzfenster (Öffnung 10 cm breit und 30 cm hoch) , das sich im Städt. Museum Pirmasens befindet. — Aus Funden von verbrannten Lehmstücken mit Flechtwerkabdruck aus einer Schicht von Brandschutt kann auf Fachwerkaufbauten geschlossen werden.
Anläßlich der Freilegung des westlichen Außenbereichs kam an der unteren Felswand auf einer herausgearbeiteten Platte, 30 x 30 cm, ein Wahrzeichen zum Vorschein, das eine muschelartige Form besitzt. Wie Thea Haupt feststellte, kann es sich hierbei um eine Pilgermuschel handeln, als Zeichen und Symbol der Kreuzfahrer. Daraus kann man schließen, daß Schloßherren an den Kreuzzügen teilnahmen. (Siehe die Romane „Viel Steine gab's und wenig Brot" und „Wallfahrt in Waffen".)
Bei der baugeschichtlichen Betrachtung unserer Burgruine gibt es viele ähnliche Merkmale zu Burganlagen im Kurpfälzischen Raum, ob in Auswahl der Standorte oder aber bei Verwendung des Baumaterials und der Sicherung des Umfeldes der Wehranlagen. Zeugen dieser Entwicklung von keltischen Fliehburgen über die frühmittelalterliche Zeit bis in die Hochzeit des salischen und staufischen Burgenbaues und der nachfolgenden Zeitepoche sind zahlreich vorhanden von Kusel bis Bergzabern, von Saarbrücken bis Worms und Speyer.

Am Zusammenfluß der Rodalb und des Schwarzbachs liegt auf einem Ausläufer des Schloßberges etwa 295 m über dem Meeresspiegel und 48 m über der Talsohle die Burgruine Steinenschloß, der Gemarkung Thaleischweiler zugehörig. Von der in das Tal hineinreichenden Bergnase wurden die Täler nach Nordosten (Waldfischbach-Burgalben), nach Süden (Pirmasens-Nord, Rodalben und Pirmasens) und nach Westen (Thaleischweiler-Fröschen) von der Burg beherrscht. Das mag wohl auch der Grund sein, warum eine solche Anlage an diesem strategisch wichtigen Punkt errichtet wurde.
Funde aus der Stein- und Hallstattzeit in der Nähe des Schloßberges bestätigen die Annahme, daß an gleicher Stelle auf dem abgestuften Felsniveau mit steil abfallenden Wänden ein befestigter Platz bestanden hat, der vermutlich zur Zeit der keltischen Besiedlung als Fluchtburg diente, wie auch die Reste einer ringwallartigen Burganlage auf dem Entenstein in Rodalben auf dem linken Rodalb-Ufer gegenüber der protestantischen Kirche vorhanden sind.
Einige römische Kleinfunde lassen darauf schließen, daß auf dem Schloßberg vor der Erbauung der salischen Burg eine Anlage der spätrömischen Kaiserzeit bestanden hat. Bei diesem Bauwerk kann es sich um einen Wachposten (Römerkastell) zum Schutz der römischen Ost-West-Verbindungen gehandelt haben. So sind auf der Burg bei Grabungsarbeiten in den letzten Jahren römische Bauspolien (Ziegel) freigelegt worden, die wahrscheinlich aus den Trümmern der römischen Villa rustica, auf der Hochfläche gegen Höheinöd, stammen und in geringer Menge als Baumaterial Verwendung fanden.
Auch in unmittelbarer Umgebung der Burg wurden beim Bahnbau Pirmasens-Nord das Oberteil einer Jupitergigantensäule mit, vier Tagesgottheiten (im Landesmuseum Speyer aufbewahrt) und am Fuß des Schlosses eine Urne mit zwei- bis dreitausend römischen Münzen geborgen.
Möglicherweise hat nach der Römerzeit auf dem Schloßberg ein fränkischer Grafensitz bestanden.
Die Erbauung der Burg, wie sie sich heute als Ruine darstellt, erfolgte im 11. und 12. Jahrhundert. Das Steinenschloß verdankt seine Entstehung den salischen Kaisern und war als südliche Grenzburg zum Schutz der- ausgedehnten Besitzungen des Reichslandes um Kaiserslautern errichtet. Als Gründer der Burg wurde in verschiedenen urkundlichen Nachrichten Graf Emich I. von Leiningen genannt. Die Heimatschriftstellerin und Verfasserin der Kreuzfahrer-Romane „Viel Steine gab's und wenig Brot" und „Wallfahrt in Waffen" ` Thea Haupt hat bei ihren Forschungsarbeiten in den Leininger Archiven in Zusammenarbeit mit dem Leininger Geschichtskenner Dr. Ingo Toussaint, Freiburg, jetzt Universitätsbibliothek Bayreuth, keine diesbezüglichen Hinweise festgestellt. Vielmehr erkennt auch Ministerialrat Dr. Hermann als Leiter des Landesarchivs und bester Kenner der Geschichte die Saarbrücker Grafen als Besitzer an. Aufgrund der geborgenen Funde aus einer Brandschicht, der eine Zerstörung im 12. Jahrhundert zugrunde liegt, vermutet man neben dem Saarbrücker Schloß, dem Schlössel bei Klingenmünster und der Wilgardaburg (in alten Aufzeichnungen auch „altes Schloß" genannt) im Steinenschloß eine der vier Burgen der Saarbrücker, die infolge machtpolitischer Auseinandersetzungen 1168 durch Friedrich Barbarossa verwüstet und danach nicht wieder aufgebaut wurden. Unterstützt werden diese Annahmen dadurch, daß auch die bis heute gemachten Funde nicht über den Zeitraum des 11.-12. Jahrhunderts hinausreichen.

 

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