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Schonenbach
Eine untergegangene Siedlung bei Höhfröschen
Heimatkalender für das Pirmasenser und Zweibrücker Land 1988 - Von Herbert Justus


Viele Ortschaften sind über die Jahrhunderte hinweg gegründet worden und auch wieder untergegangen.
Im Kreis Pirmasens gibt es eine ganze Anzahl derartiger alter Siedlungsstellen. Die Archivunterlagen über diese Stätten sind äußerst spärlich und oft erinnern nur noch Flurnamen oder wenige Spuren ehemaliger Besiedlungen an ihr Vorhandensein.
Auch Schonenbach (Schonnebach, Schönbach) war eine dieser Siedlungen. Sie lag auf dem Bergrücken, wo sich heute Höhfröschen erstreckt, aber nicht in Nord-Süd-Richtung wie Höhfröschen, sondern von Westen nach Osten. Der Gewannenamen „In den Hofplätzen` `,welcher westlich und östlich des heutigen Dorfes erscheint, weist darauf hin. Das schreibt auch Prof. Dr. E. Christmann in „Die Siedlungsnamen der Pfalz, Teil II". Er nimmt an, daß der Name „Plätze ehemaliger Höfe" besagt. In Teil I obiger Veröffentlichung bezeichnet er allerdings „Schönbach` ` als eine Wüstung bei Thaleischweiler.. Das ist wohl auf Unkenntnis der örtlichen Verhältnisse zurückzuführen. Es handelt sich hier um den Hinweis auf dieselbe Wüstung, nämlich Schonenbach.
Urkundlich wurde der Ort erstmalig 1295 bei der 1.. Teilung der Grafschaft Zweibrükken zwischen den Brüdern Eberhard und Walram I. als „Schonnebach" erwähnt (1).
Prof. Dr. G. Biundo nahm an, daß der Ort als fränkische Siedlung etwa um 540 gegründet wurde (2). Dies ist durch neue Forschungen in Zweifel gezogen worden. Man denkt heute, daß der Ort erst in der fränkischen Ausbauzeit, etwa um 900, entstanden ist. Prof. Dr. Christmann erklärt, daß die Ortsnamenzüsainmensetzungen mit — bach - zunächst Flurnamen sind und daher zu verschiedenen Zeiten zu Ortsnamen werden können. Man kann daher nicht auf ein bestimmtes Alter einer Siedlung schließen (3). Nach seinen Angaben, gibt es aber eine ganze Anzahl -bach-Orte, die aus nahen -weiler Orten herausgewachsen sind. Man kann also durchaus der Meinung sein, daß Schonenbach und auch Meisenbach" aus Thaleischweiler hervorgegangen sind. Da nun, aber die -weiler-Orte wahrscheinlich im 7J8. Jahrhundert beim ersten Landesausbau in der Mero.wingerzeit entstanden sind, und zwar durch Besiedlung von Saar und Blies her, kann Schonenbach und auch Meisenbach erst nach dieser Zeit entstanden sein.

Sichtbare Überbleibsel aus dem alten Schonenbach sind heute nur noch die , , Schonenbacher Tränke" ` und der „Schonenbacher Waschtrog". Beide befinden sich an dem mit Büschen und Bäumen bestandenen Fußpfad von Höhfröschen aus in das Mohrbacher Tälchen, einer bewaldeten Schlucht, die aber stellenweise so breit ist, daß sonnige Wiesenflächen vorhanden sind. Das Tälchen mündet dort, wo sich heute die Lagerhallen der USArmy in der Mohrbach befinden und ist von der L 477 oberhalb des Hitscherhofes in Richtung Thaleischweiler einzusehen. In Höhfröschen wird diese Waldschlucht als „Häldchen` ` bezeichnet.
Die „Schonenbacher Tränke", die aus dem gewachsenen Felsen herausgehauen ist, befindet sich noch in ihrem Urzustand, ist aber leider etwas geborsten. An dem , ,Schonenbacher Waschtrog" wurde vor einigen Jahren durch Privat-Initiative der Wasserzufluß neu gefaßt.
Wenn man sich etwas genauer mit der Ortsbezeichnung befaßt, fragt man sich unwillkürlich, wo denn hier auf der Hochfläche die „schöne Bach" ` gewesen sein soll, die Pate für den Ortsnamen war. Dazu muß man die Überlegungen von D. Häberle heranziehen. Er verweist in seiner Arbeit , ,Die Wüstungen der Rheinpfalz" ` auf das Eingehen von Dörfern durch Verlegung aus der ursprünglichen Erstlage in engen Tälern auf benachbarte fruchtbare Hochflächen. Diesen Vorgang hat L. Kampfmann für Orte der Sickinger Höhe nachgewiesen (4). Durch den Übergang von nahezu reiner Viehwirtschaft zu intensivem Ackerbau, war die Wohnlage in den engen, schmalen Tälern ungünstig und die Wohnstätten wurden daher auf nahegelegene Höhen mit tiefgründigem, fruchtbarem Kalkboden verlegt (5) .
Häberle vermutet, daß u. a. die Namen der Höhendörfer Fehrbach und Gersbach eine derartige Umsiedlung beweisen, doch fehlt hierzu bisher der urkundliche Nachweis (6).
Demzufolge könnte auch der Name , , Schonenbach` ` auf eine derartige Umsiedlung hinweisen. Man kann-sich dabei vorstellen, daß die erste Ansiedlung im , ,Häldchen` ` entstanden war, wo auch die , ,schöne Bach", die heutige Mohrbach vorhanden ist, die durch mehrere Quellen gespeist wird. Da das Tälchen gegen Westen hin zum Schwarzbach offen ist, kann die Besiedlung durchaus von Thaleischweiler aus erfolgt sein, wie es auch für Meisenbach, Thalfröschen und Höheischweiler vermutet wird.
Diese Ansiedlung im Häldchen war sicher nur ein Weiler, der aus 4 bis 5 Siedlungsstellen bestand, da hier ja nicht Platz für einen größeren Ort vorhanden war. Die ersten Ansiedler betrieben hauptsächlich Viehzucht. Saftige Wiesen und Möglichkeiten des Weidegangs an den an das Tälchen angrenzenden bewaldeten Hängen und den sicher damals noch teilweise bewaldeten Hochflächen, die das heutige Ortsgebiet von Höhfröschen ausmachen (Gewannenamen: Geschälte Birken, Im Mohrenkopferwald, im Brückenbergerwald), waren reichlich vorhanden.
Nachdem sich im Laufe der Zeit der Ackerbau gegenüber der Viehzucht langsam durchzusetzen begann, nahmen die Siedler wahr, daß auf der an das Tal angrenzenden Höhe fruchtbarer Ackerboden vorhanden war, der sich an Ort und Stelle rationeller bearbeiten ließ. Die Bewohner wanderten daher mit ihren Anwesen auf die Höhe über dem Häldchen und Schonenbach entstand neu, während die alten Gebäude im Tal mit der Zeit zerfielen.
Schonenbach lag vermutlich in dem Bereich, der von der Schonenbacher Tränke über eine gedachte Linie Buchenwaldstraße — Bogenstraße zum Langental führte und von dieser Linie aus Richtung Südwesten bis zu „Lichtmertels Pfuhl" an der Höhmühlbacher Straße.
Bereits Prof. Biundo erwähnte, daß Schonenbach eine große Ausdehnung besaß. Das ist so zu verstehen, daß die Häuser einzeln inmitten der Felder in einer sogenannten Blockflur lagen und daher bei wenigen Ansiedlern ein weit auseinandergezogenes Dorf entstehen konnte. Man kann das aber nicht mit heutigen Begriffen vergleichen; von einer Dorfstraße konnte wohl nicht die Rede sein.
Das Gebiet von Schonenbach gehörte in der Zeit der fränkischen Gaueinteilung des B. bis 12. Jahrhunderts zum Gebiet des Wormsgaus (7). Entgegen der noch von Pöhlmann geäußerten Ansicht, daß hier bei Thaleischweiler-Fröschen der Schwarzbach die Grenze vom Blies- zum Wormsgau war, ist es heute erwiesen, daß das ganze Gebiet von Schonenbach zum Wormsgau gehörte, wie es auch durch die Grenzen der. Diözesen Worms und Metz hier in unserem Gebiet bis zum Mittelalter ersichtlich ist. Die Diözesangrenzen waren fast immer mit den Grenzen der fränkischen Gaue identisch und hier lag das Gebiet von Fröschen, Meisenbach und Schonenbach zweifelsfrei noch im Gebiet der Diözese Worms. Die Banngrenze von Schonenbach nach Süden, Westen und teilweise Osten, die heute noch größtenteils mit der Banngrenze von Höhfröschen übereinstimmt, war gleichzeitig die Grenze vom Wormsgau zum Bliesgau. Ein weiterer Punkt für diese Behauptung ist die Tatsache, daß Fröschen, Meisenbach und Schonenbach in der ursprünglichen Gemarkung von Thaleischweiler gegründet und diese Flächen erst zu einem späteren Zeitpunkt aus dieser herausgelöst wurden.
Die im B. Jahrhundert entstandene Benediktinerabtei Hornbach besaß durch Landschenkungen auch in Schonenbach ausgedehnte Besitzungen. Von Hornbach aus wurden im Gebiet des Kreises Pirmasens Kirchen gegründet und wirtschaftliche Stützpunkte gebildet, die später zu förmlichen Klosterhöfen anwuchsen. An-der Spitze eines Klosterhofes stand der vom Abt bestellte Klostermeier, der zugleich Gerichtsschultheiß war. Ihm zur Seite standen für die Rechtsprechung 7 Schöffen und zu jedem Klosterhof gehörte auch ein Büttel, der Gerichtsdiener. Dem Klosterhof in Nünschweiler unterstanden die Orte: Dellfeld,
Dusenbrücken, Bottenbach, Hengsberg, Höhmühlbach, Schonenbach, Eischweiler, Wals-hausen und Windsberg (8).
Die anfängliche kirchliche Zugehörigkeit von Schonenbach zu einer Kapelle auf dem Staffelberg, wie sie noch in den „Kunstdenkmälern des Kreises Pirmasens" erwähnt wird, scheint heute mehr als zweifelhaft. Durch nichts ist bisher das Bestehen einer derartigen Kapelle erwiesen und auch nicht zu erklären (9).
Wenn hier in unserer Gegend eine frühe Kapelle erbaut wurde, dann sicher nicht an einer zu dieser Zeit unbewohnten, unwirtlichen Stelle auf dem Staffelhof, sondern am Wedebrunnen in Pirmasens, im Gebiet der Waldmark, die schon früh durch Schenkung an das Kloster Hornbach kam.
Wir können für die Frühzeit eine Zugehörigkeit von Schonenbach zu dieser Kapelle am Wedebrunnen vermuten. Der Kirchendienst wurde hier von Mönchen aus dem Kloster Hornbach versehen.
Da sich der Einzugsbereich der Klosterhöfe ursprünglich mit den Pfarrsprengeln deckte (10), kann man annehmen, daß nach Erbauung einer Kirche in Nünschweiler, die Schonenbacher nun hierzu gehörten. Dies änderte sich wohl erst, als in unmittelbarer Nähe, in Meisenbach, etwa um 1225 eine Kapelle errichtet wurde, zu einem Zeitpunkt, wo bereits das Territorialgebiet der Grafschaft Zweibrücken im Entstehen war. Es scheint unerklärlich, warum gerade hier in Meisenbach, fast in Sichtweite der Kirche zu Thaleischweiler, eine Kapelle errichtet wurde.
Sollte hier der Schwarzbach die Ursache gewesen sein? Die Talniederung war sumpfig und wohl zum Großteil des Jahres durch- Überschwemmungen unpassierbar. Dadurch ließe sich eine Kapelle in Meisenbach, die die beiden nahe gelegenen Orte Fröschen und Schonenbach kirchlich mitversorgte, wohl erklären.
Zum Schutze der Klöster waren von Anfang an Kastenvögte bestellt. Vögte des Klosters Hornbach waren von der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts an die Grafen von Saarbrücken und als zwischen 1182 und 1188 die Grafen von Zweibrücken sich von ihnen abzweigten, erhielten diese auch die Klostervogtei.
Die Klostervögte nutzten ihre immer stärker werdenden territorialen Rechte dazu aus, die Besitztümer des Klosters immer weiter zu beschneiden und so gelangte ein Großteil des ursprünglichen Klosterbesitzes in ihre Hände.
Im Jahre 1282 erbten die beiden Grafen Eberhard und Walram 1. die Grafschaft Zweibrücken, die sie anfänglich gemeinsam verwalteten. Da ihnen die Verhältnisse mit der Zeit doch lästig wurden, teilten sie im Jahre 1295 mehrere ihrer Besitzungen, hauptsächlich aber das spätere „Amt Lemberg" samt den in den Dörfern des Bezirks sitzenden eigenen Leuten. Dabei kommt es zur ersten Erwähnung von Schonenbach. In der etwas unklaren Teilungsurkunde wird unser _Ort vermutlich dem Grafen Eberhard, der sich nach Erwerbung von Bitsch im Jahre 1297, Graf von Zweibrücken, Herr zu Bitsch nennt, zugeschlagen.
Es heißt dort:... lammt der Gülte zu Emeswilre, Schonenbach und Hizhusin ... (11).
Wenn hier ausdrücklich von der „Gälte` `, also von den Rechten gesprochen wird, weist das wohl daraufhin, daß sich der Großteil von Schonenbach noch im Besitz des Klosters Hornbach befand.
Die erste Teilung von 1295, die augenscheinlich nur der Eigenleute wegen stattgefunden hatte, führte in bezug auf die betreffenden Gebiete bald wieder zu erneuten Zerwürfnissen und zwar größtenteils betreffs eigener Leute und Gefälle und Rechte zu Birmesessen, Meisenbach, Schonenbach, Maßweiler, Vinningen usw. (12)-.

Vier selbstgewählte Schiedsleute stellten im Jahre 1304 den Frieden wieder her, da sie einem jeden von den Brüdern von den strittigen Gegenständen dasjenige zuteilten, was ihnen nach ihrem Dafürhalten rechtlich gebührte.
In diesem Zusammenhang erfahren wir auch, daß 1304 Folmar von Schonenbach nebst seinen Kindern dem Grafen Eberhard gehört (13).
Die Ruhe dauerte nicht lange; wieder kam es zu Zwistigkeiten, die sogar zu einer blutigen Fehde führte, in deren Verlauf Graf Eberhard von Zweibrücken-Bitsch im Jahre 1320 den Tod in der Blies fand.
Erst im Jahre 1333 erfolgte die endgültige Teilung zwischen den beiden Grafenhäusern, wobei Zweibrücken-Bitsch u. a. das Amt Lemberg mit Schonenbach erhielt (14).
Ab diesem Zeitpunkt gelangte auch das Vogteirecht über die Abtei Hornbach in den alleinigen Besitz der Linie Zweibrücken; die Grafen von Zweibrücken-Bitsch hatten keinen Anteil mehr an demselben.
Die Landeshoheit war nun noch nicht so ausgebildet, daß die Grafen von Zweibrücken-
Bitsch 4F  alle territorialen Rechte in ihrem Gebiet besaßen. Durch die Vogtei über das Kloster
Hornbach, übte der Graf von Zweibrücken seine Schutzrechte auch über die im Gebiet des Amtes Lemberg liegenden Ländereien und Leute des Klosters Hornbach aus. Es kam immer wieder zu Übergriffen gegenüber Hörigen die unter dem Schutz des Klosters Hornbach bzw. des Grafen von Zweibrücken standen.
Bereits 1334 kam es zu neuen Händeln, die dann 1335 durch Kurfürst Ruprecht von der Pfalz geschlichtet wurden (15).
Im Jahre 1360 erfahren wir wieder eine urkundliche Mitteilung über Schonenbach. Es gaben Hentschouch und seine Erben, Pirminius sein Schwiegersohn, Funko Reinemann sein Bruder, sowie Hartmann Klovelucher, Gerlach von Hunthusen, Margreta von Eiswiler und Litheidis ihre Schwester und Hermann daselbst, dem Kloster Hornbach 10 Schilling Pfennig weniger 3 Pfennig vom Gut Maschweiler Berg und in Schonenbach. (Hornbacher Urbar Fol. 8).
Am Rande durchgestrichen, aber noch lesbar steht: Die Schillinge gibt Groß Faber und seine Erben in Eyschwiller und von Schonenbach wird nichts gegeben (16).
Das Gebiet von Schonenbach wurde von drei Straßenverbindungen berührt. Die alten Straßen sind fast immer als Höhenstraßen angelegt. Sie wurden jahrhundertelang als Verkehrswege festgehalten und reichen oft in früheste Zeiten zurück. Auf der südwestpfälzischen Hochebene verlaufen sie unmittelbar in der günstigsten Richtung. Als Ausnahme hiervon benutzt die mittelalterliche Heerstraße von Weißenburg herauf das Wieslautertal bis Kaltenbach, um von da über Münchweiler, Thalfröschen, Meisenbach, an Schonenbach vorbei über Mühlbach nach Zweibrücken zu führen (17).
Bereits in vorrömischer Zeit wird unser Gebiet von einer Straße durchzogen, die von Landstuhl über Hermersberg, Thaleischweiler, Schonenbach, Fehrbach, Eppenbrunn nach Bitsch führte.
Eine weitere Straßenverbindung aus römischer Zeit kam von Hornbach her über Bärenhütte, Höheischweiler am Hainbüchel entlang, führte über die Gewanne „Dinkelfeld", etwa dort, wo sich heute die Autobahnbrücke am TÜV befindet und weiter über den Steinberg Richtung Biebermühle. Hier zweigte eine Linie über das Römerkastell Richtung Höheinöd/Landstuhl ab und die Hauptlinie verlief über die Heidelsburg bei Waldfischbach weiter in die Vorderpfalz.
Im Banne von Höhfröschen gibt es noch heute an der Verbindungsstraße nach Höhmühlbach die Gewannebezeichnungen „ Beim, Lichtmertelspfuhl" und ,, Am Lichtmertelspfuhl oben am Weg". Diese an sich-etwas sonderbaren Gewannenamen, die noch aus der
Zeit von Schonenbach stammen, erklärte Prof. D. Biundo wie folgt (18): ,,Im alten Schonenbach muß ein besinnlich-frohes Leben geherrscht haben. Alljährlich um die Weihnachtszeit gab es heimliche Umzüge am Abend. Im Walde über das westliche Ende des Dorfes hinaus, sammelte sich das stattliche Gefolge des ,Lichtmertels`, sonst auch Pelzmärtel genannt. Alle trugen Lichter in der Hand, der Lichtmertel aber, ein ehrwürdiger Greis im Hohepriestergewand mit einer goldenen Krone auf dem Haupt, trug das größte Licht. Der geordnete Zug setzte sich unter Absingen alter Weihnachts- und Volkslieder langsam in Bewegung. So zogen sie von Haus zu Haus und nahmen milde Gaben in Empfang. Zuletzt ging der feierliche Zug zur St. Pirminius-Kapelle auf dem Staffelberg, wo sie die Reste ihrer Wachskerzen niederlegten".
Sicher ist das Leben in Schonenbach nicht so heiter, besinnlich verlaufen, wie in vorstehender Legende geschildert.
Der Grundbesitz gehörte ganz dem Kloster Hornbach bzw. den Territorialherren und die Bewohner mußten den Zehnten und auch anderweitige Abgaben an die Grundherren abführen und auch Frohndienste leisten. Die Abgaben gingen von den Pirminsleuten an den Meierhof in Nünschweiler, wo durch den Klostermeier auch die niedere Gerichtsbarkeit ausgeübt wurde.
Neben Zehnten und Zinsen besaß das Kloster Hornbach auch das Recht des sogenannten Buteils ` `, d. h. das Haus eines Bauern im Pirminslande fiel nach dem Tode seines Bewohners, der Abtei Hornbach zu und mußte dann wieder vom Erben neu erworben werden. Dieser Umstand wirkte sich lähmend auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes aus, da niemand Interesse hatte, einzig und allein für das Kloster zu bauen. Herzog Ludwig der Schwarze von Zweibrücken hob daher als Kastenvogt des Klosters Hornbach durch eine am 1. August 1470 erlassene Verfügung, dieses einschneidende Grundherrenrecht des Klosters auf und gab allen Pirminsleuten ihre Häuser zu eigen (14).
Wahrscheinlich bestand Schonenbach um diese Zeit schon nicht mehr, denn es soll um 1500 eingegangen sein. Über den Untergang von Schonenbach sind bisher nur vage Vermutungen laut geworden. Um seine Besitzungen abzurunden soll das Kloster Hornbach die Bewohner aufgekauft haben, die dann wegziehen mußten.
Um das zu verstehen, muß man die Situation am Ende des Mittelalters (15./ 16. Jahrhundert) kurz streifen. Die Bauern befanden sich in einer schweren wirtschaftlichen Lage. Aus freien Bauern waren, bedingt durch die harten kriegerischen Zeiten, Mißernten und die Bedrückung der Oberen immer mehr Abhängige von Kloster und Landesherren geworden. Aus dieser Lage ist wohl auch die allgemeine Unzufriedenheit der Landbewohner zu verstehen, die in den Bauernkriegen um 1525 ihren Höhepunkt fand.
Um dem wirtschaftlichen Druck zu weichen, begab man sich immer mehr in die Abhängigkeit und wurde Höriger und Leibeigener (19).
Die Schonenbacher Bauern waren wohl den gleichen Ursachen ausgesetzt, und da sich der Grund und Boden sowieso nicht in ihrem Besitz befand, waren sie den Anordnungen der Grundherren mit allen Konsequenzen hilflos ausgeliefert.
Das„ Aufkaufen" der Schonenbacher durch die Klosterleute scheint durchaus glaubhaft.
Das Kloster Hornbach befand sich Ende des 15.! Anfang des 16. Jahrhunderts, teilweise bedingt durch die Reformation, selbst in Auflösung und hatte mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Zeitalter der großen kirchlichen Schenkungen war längst vorbei und die Macht der Territorialherren wurde immer größer. Diese versuchten mit allen Mitteln Einfluß auf den nach wie vor großen Grundbesitz des Klosters Hornbach zu gewinnen. Sicher kam es zu Verkäufen und so scheint dessen Grundbesitz in Schonenbach geschlossen an die Grafen von Zweibrücken-Bitsch veräußert worden zu sein, zumal dieser auf „ausländischem" Gebiet lag.
In einem Weistum von Nünschweiler um das Jahr 1535, sind nur noch die Orte Dellfeld, Mühlbach, Eschweiler, Hengsberg, Windsberg, Bottenbach und Walshausen als zugehörig bezeichnet; alles Orte, die im Gebiet von Zweibrücken lagen (20). Schonenbäch ist nicht mehr verzeichnet. Damit dürfte erwiesen sein, daß das ganze Ortsgebiet an die Grafen von Zweibrücken-Bitsch übergegangen war und die territoriale Abgrenzung zwischen Zweibrücken und Zweibrücken-Bitsch zu diesem Zeitpunkt wohl schon vollständig bestanden hat. Die Grenze gegen Zweibrücken hin, befand sich etwa an der Straße von der Autobahnbrücke am TÜV, in Richtung Rieschweiler-Mühlbach. Schonenbach bestand schon nicht mehr, obwohl in dem Zweibrücker Oberamts-Bannbuch vom Jahre 1547 noch von Schonenbach die Rede ist. Es heißt dort wörtlich bei der Beschreibung der Grenze von
Nünschweiler, Müelbach vond Eschweiller" (21): „Obengenanter dreyen dorff grentz fahet ahn zue Schönbach vndein ahn der Drencken oben ahn dem dorff Mülbach vff der grossen bach, so vorn Eischweiller kompt; genant bach hat die grentze versus septentrionem (gegen Norden); weiter streckt sich die grentz vonn schonbach aussen vff die buchen standet........usw.,` `
Hier war wohl den ortskundigen Bauern von Höheischweiler und Mühlbach noch das Vorhandensein des ehemaligen Dorfes Schonenbach bekannt.
Auf der von dem Geometer Tilemann Stella 1563/64 gezeichneten Karte unseres Gebietes sind zwar Meisenbach und Fröschen vermerkt, aber von Schonenbach findet sich keine Spur mehr (22).
Warum Schonenbach nicht mehr besiedelt wurde, nachdem sich das Ortsgebiet vollständig im Besitz der Grafen von Zweibrücken-Bitsch befand, ist schwer zu erklären. Man kann nur annehmen, daß in dieser Zeit wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse kein Interesse an einer Neubesiedlung bestand. Zudem, gelangte 1570 das Amt Lemberg nach Aussterben der Manneslinie Zweibrücken-Bitsch an die Grafschaft Hanau-Lichtenberg und wurde wegen Erbauseinandersetzungen bis zum Jahre 1604 von Truppen des Herzogs von Lothringen besetzt gehalten.
Kleine Teile des ehemaligen Schonenbacher Banns wurden sicher auch von Fröschen und Meisenbach aus bewirtschaftet. Das war aber bestimmt nicht viel, denn jeder Einzelne konnte ja nicht unbegrenzt Land unter den Pflug nehmen.
In Fröschen selbst war noch genug vorhanden. Man darf sich von der. Größe der Orte um 1500 keine übertriebenen Vorstellungen machen. Laut dem Zweibrücker Oberamtsbannbuch von 1547 wohnten in Nünschweiler 15 Bauern, in Mühlbach 11 Bauern und in Eschweiler (Höheischweiler) 10 Bauern. Dazu kamen wohl noch eine Anzahl Hintersassen, die aber nur begrenzt Ländereien besaßen und die man heute als Nebenerwerbslandwirte bezeichnen könnte.
Eine letzte urkundliche Nachricht, die mit dem Namen Schonenbach verbunden ist, besitzen wir aus dem Jahre 1616.
Graf Johann Reinhard von Hanau-Lichtenberg erlaubt den (Höh-)Mühlbachern und ihren Nachkommen, daß sie für ihr Vieh die Rauhweide „von der Schönbacher Trencken an, das Tal hin bis ufs Mohrbacher Bächlin und von demselben hinauf bis an die Straß, do ein Buchen stehet und fürters von dannen bis zum Licht Mertelspfuhl" ` besuchen und gebrauchen dürften (23).
Die Mühlbacher waren als Untertanen von Pfalz-Zweibrücken immerhin „Ausländer` ` und hätten von der Rentkammer in Buchsweiler wohl nie diese Erlaubnis erhalten, wenn von Fröschener Seite aus das Gelände bearbeitet oder benötigt worden wäre.
Es dauerte noch ca. 100 Jahre, bis auf dem Gebiet von Schonenbach mit Höhfröschen ein neues Dorf gegründet wurde.
Im Jahre 1984 wurde eine Straße im Neubaugebiet „Im Brückenbergerwald" und „In den Hofplätzen" auf den Namen Schonenbachstraße getauft. Damit soll die Erinnerung an die längst vergangene Siedlung wieder wachgerufen und eine Brücke vomalten Schonen- bach zum jungen Höhfröschen geschlagen werden.
Quellennachweis
(1) Lehmann, Urkundliche Geschichte der Grafen von Zweibrücken-Bitsch; S. 185 u. 194
(2) Biundo, Geschichte Thaleischweilers und seiner Umgebung; 1924, S.8.
(3) Christmann, Siedlungsnamen der Pfalz; Teil III; 1958.
(4) Kampfmann, Wanderungen Pf. Ortschaften; Pf. Heimatkunde 1909; S. 14-16.
(5) Häberle, Die Wüstungen der Rheinpfalz auf Grundlage der Besiedlungsgeschichte; 1919/22; Mitt.d.Hist.V.d.Pfalz; Bd. 39/42.
(6) siehe Nr. 5; S. 72.
(7) Christmann, Pfälzer Heimat 1959; Burgalben — Donsieders — Bieberberg und fränkische Gaugrenzen; S. 81-84
(8) Eckardt/Kubach, Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Pirmasens; 1957; S. 11-13
(9) Lanninger, Pfälzer Heimat 1964; Pirminiuskapelle, Hockenstein; S. 17/18.
(10) Pöhlmann, Die älteste Geschichte des Bliesgaus; Teil II; S. 59
(11) sieheNr...1; S. 185.
(12) siehe Nr. l; 5.°194.
(13) Kampfmann, Beiträge zur westpf. Ortsgeschichte; Teil Il; Wüstungen; S. 130. (14), Cunz, Die Forstgeschichte des Pirminlandes; Aus heimatlichen. Gauen; Nr. 6; v. 21. 2. 1953.
(15) siehe Nr. 1; S. 205.
(16) siehe Nr. 13; S. 130.
(17) siehe Nr. 8; S. 47.
(18) siehe Nr. 2; S. 55. -
(19) siehe Nr. 5; S. 72. -
•(20) Neubauer, Weistum des ehemaligen Hofes-Nünschweiler; Westpf. Geschichtsblätter 1900; S. 20.
(21) Kampfmann, Beiträge zur westpf. Ortsgeschichte 1908; Teil 1; Zweibrücker Oberamtsbannbuch v 1547; S. 81.
(22) Stella, Gründliche und wahrhaftige Beschreibung der beyden Aempter Zweybrucken -und Kirckel; 1563/64; Landesarchiv Speyer; Zweibr. Domanialakten Nr. 1; die Karten zu dieser Beschreibung befinden sich in der kgl. schwel. Bibliothek in Stockholm; Kopien im Hist. Museum der Pfalz in Speyer.
(23) siehe Nr. 13; S. 130/31.

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