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Der Friedhof in der Meisenbach
Heimatkalender für das Pirmasenser und Zweibrücker Land 1991 - Von Herbert Justus


Unterhalb von Thäleischweiler-Fröschen liegt auf einer flachen Südterrasse die Kapellenruine Meisenbach inmitten eines mit einer Quadermauer rund ummauerten Friedhofs.
Wir erreichen diesen Friedhof über die Fröschner Straße und biegen beim Bahnübergang Kronenstraße in einen betonierten Wirtschaftsweg ein, der uns nach etwa 1 km an die Kapellenruine bringt. Die wenigsten Besucher wissen, daß wir uns hier auf der mittelalterlichen Heerstraße befinden, die von Weißenburg kommend, durch das Lautertal über Kaltenbach, Münchweiler, Rodalben, Thalfröschen, an der Meisenbach vorbei Richtung Zweibrücken führte. So mancher Reisende, der zu Fuß oder Pferd diesen Weg zog, mag wohl hier Rast gemacht und die Kapelle zu einem kurzen Gebet aufgesucht haben.
Noch Anfang der fünfziger Jahre war dieser Friedhof mit Bäumen und dichtem Gestrüpp bedeckt und die spärlichen Reste der Kapelle kaum dahinter wahrzunehmen.
In einer sich über einen längeren Zeitraum hinziehenden Säuberungskampagne, wurde von der Jungen Union Thaleischweiler-Fröschen, in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege und Unterstützung der Gemeinde Thaleischweiler-Fröschen, die Anlage von Gestrüpp und Bäumen befreit, alles gesäubert und die Bausubstanz der Kapellenruine und der Friedhofsmauer wieder gefestigt.
Bei diesen Arbeiten wurden auch eine Anzahl alter Sandsteingrabsteine freigelegt und zur Erhaltung in Reihen beiderseits des Weges vom Eingang bis zur Kapellenruine wieder aufgestellt. Bei diesen Grabsteinen handelt es sich ausschließlich um solche des 19. Jahrhunderts von protestantischen Bürgern aus Höh- und Thalfröschen.
Wenn wir das ursprüngliche Alter dieser Friedhofsanlage bestimmen wollen, sind wir weitgehend auf Vermutungen angewiesen, da keine daraufhindeutenden Urkunden mehr vorhanden sind.
In der Frühzeit nach Einführung des Christentums bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es üblich, die Toten im Bereich von Kirchen und Kapellen zu bestatten. Die Friedhöfe waren direkt um diese angeordnet und dienten oft Jahrhunderte diesem Zweck. Bei Bedarf wurden sie aufgefüllt und höhergelegt, was für den alten Friedhof um die protestantische Kirche in Thaleischweiler bewiesen ist.' Auch um die Kapelle in der Meisenbach war ein Friedhof gelegen. Durch den Mauerverlauf kann man noch heute die ehemalige Größe ersehen. -
Auch hier deutet die gegenüber der Außenmauer sichtlich höher liegende innere Ebene auf Höherlegungen hin.
Nach der noch vorhandenen Bausubstanz der Kapellenruine zu urteilen, könnte sie anfangs des 13. Jahrhunderts erbaut worden sein, also zur gleichen Zeit wie die Kirche in Thaleischweiler, beides wohl veranlaßt durch das Kloster Hornbach.
Dazu ist zu bemerken, daß sich nicht nur in Thaleischweiler, sondern auch in der Meisenbach ein kleiner Klosterhof befand.'
Die Kapelle diente den Bewohnern von Meisenbach, Fröschen und Schonenbach zum Gottesdienst. Es ist anzunehmen, daß auch ab Erbauung der Kapelle hier ein Friedhof für die drei zugehörigen Orte angelegt wurde, zumal die Talniederung des Schwarzbachs sumpfig und ein Großteil des Jahres durch Überschwemmungen fast unpassierbar war.
Man kann wohl davon ausgehen, daß dieser erste Friedhof so lange belegt wurde wie auch die Kapelle bestand. Nachdem sie aber im 16. Jahrhundert immer mehr zerfiel, scheint auch der Friedhof aufgegeben worden zu sein. Das hängt wohl` teilweise mit der
Einführung der protestantischen Lehre zusammen. Diese erfolgte im Herzogtum Zweibrücken bereits im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts und im Amt Lemberg vermutlich um 1570 nach Übernahme der Grafschaft Zweibrücken-Bitsch durch Graf Philipp V. von Hanau-Lichtenberg.
Bereits 1579 war die Kapelle in der Meisenbach halb zerstört und das Kloster Hornbach sollte sie neu decken lassen, da es 2/3 des Zehnten in Fröschen bezog.3
Das Kloster Hornbach bestand aber zu diesem Zeitpunkt als solches schon nicht mehr, da es Herzog Wolfgang von Zweibrücken 1558 aufhob und das Vermögen für die neugegründete herzogliche Schule verwendete. Da die katholische Grafschaft ZweibrückenBitsch im Jahre 1570 an das protestantische Hanau-Lichtenberg überging und das Amt Lemberg wegen Erbauseinandersetzungen von 1570 bis 1604 von den Truppen des Herzogs von Lothringen besetzt wurde, war sicher kein Geld vorhanden die Kapelle wieder herzurichten, zumal um 1500 auch Schonenbach eingegangen war.
Es ist zu vermuten, daß die Toten der wenigen Bewohner von Meisenbach und Frö-  nunmehr wohl protestantischen Glaubens, auf dem Friedhof bei der Kirche in Thaleischweiler beigesetzt wurden.
Nach der Wiederbesiedlung von Thaleischweiler und Fröschen nach dem 30jährigen Krieg, Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Toten aus Fröschen und dem neugegründeten Höhfröschen ausschließlich in Thaleischweiler bestattet.
Die Kapelle in der Meisenbach und der dortige Friedhof befanden sich in einem desolaten Zustand.
Eine neue Periode entstand durch die französischen Reunionen ab ca. 1680.
Die Kapelle wurde auf Betreiben des katholischen Bischofs von Metz wieder zu Gottesdiensten benutzt und teilweise von Zweibrücken, Hornbach und Rodalben aus versehen. Nach 1700 hielt auch der katholische Pfarrer von Nünschweiler hier Gottesdienst ab und es erfolgten am Pfingstmontag und am St.-Cyriakus-Tag Wallfahrten katholischer Gläubigen aus der näheren und weiteren Umgebung. Diese wurden erst um 1750 auf Veranlassung der landgräflichen Verwaltung eingestellt.
Der Friedhof wurde in dieser Zeit von den überwiegend protestantischen Bewohnern der Umgebung nur ausnahmsweise benutzt. Das geht aus einem Vermerk im Kirchenbuch von Pirmasens hervor. Hier finden wir beim Eintrag für Anna Katharina Alspach aus Fröschen folgenden Zusatz:   , , atn 10. Juni 1693 zu Meisenbach bestattet, weil zu Fröschen das Wasser so groß war, daß man nicht über den Bach konnte um sie in Eischweiler zu begraben. ` `
Ein weiteres Mitglied dieser Familie wurde am 3. Juli 1705 ebenfalls hier beigesetzt.
Daß es sich hier tatsächlich um Ausnahmen handelte geht auch aus der Tatsache hervor, daß in der Zeit von 1725 bis 1769 insgesamt 15 Kinder aus Höhfröschner Familien im Alter bis zu neun Jahren hier bestattet wurden; diesen stehen nur drei Erwachsene gegenüber, bei denen es sich um herumziehende Personen handelte, die in Höhfröschen verstarben.4
Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, in der Zeit der französischen Besetzung, entstand eine Änderung im Bestattungswesen. Nachdem die Friedhöfe nunmehr in den Besitz der politischen Gemeinden übergingen und der Platz um die Kirche in Thaleischweiler wohl auch zu eng wurde, erhielten die protestantischen Toten von Höh- und Thalfröschen auf dem wiederhergerichteten Friedhof in der Meisenbach ihre letzte Ruhestätte und die Katholiken auf dem ab 1797 eröffneten Friedhof in Fehrbach, wo bereits 1796 eine eigene Kirche aus Mitteln der katholischen Bürger von Fehrbach, Staffelhof, Höh- und Thalfröschen erbaut wurde.' Seit 1738 bestand vorher bereits an der Rosenberger Kapelle ein geweihter Begräbnisplatz, auf dem auch die Katholiken aus Höh- und Thalfröschen begraben wurden.6
Sämtliche in der Meisenbach heute noch vorhandenen 24 Grabsteine stammen aus dem 19. Jahrhundert und beweisen damit die Belegungsdauer. Folgende Namen "sind auf den Steinen noch lesbar:
Allspach — Bißbort — Emmer — Felde — Fischer — Gölter — Groß — Heil — Höh - Justus — Kettering — Knecht — Linn — Wick — Munzinger — Pirmann — Roos — Sauer — Simon — Schatzmann — Schoch — Schwab — Stock — Utzinger.
Diese Namen sind fast alle auch heute noch in Höhfröschen und Thaleischweiler-Frösehen nachweisbar.
Die Bestattungen in der Meisenbach waren bei schlechtem Wetter und vor allem im Winter, besonders von Höhfröschen aus, mit großen Mühen und Schwierigkeiten verbunden. Dabei wurden die Verblichenen vom Kantor mit den Schulkindern am Trauerhaus abgeholt und zum Friedhof in der Meisenbach geleitet, wo sie der Geistliche erwartete.
Diese Regelung wurde erst durch Beschluß des Presbyteriums Fröschen vom 10. Juni 1914 geändert; ab diesem Zeitpunkt begleitete der Pfarrer den Leichenzug bereits ab dem Trauerhause.
Die Höhfröschner benutzten beim Leichenzug dabei den sogenannten , ,Totenweg` `, der als Gewannweg noch heute vorhanden und besonders im unteren Teil gegen den Friedhof zu äußerst steil und abschüssig ist. Man kann sich die Schwierigkeiten bei der Benutzung des Weges im Winter und bei anhaltendem Regenwetter leicht vorstellen.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts waren Bestrebungen im Gange, einen Friedhof in Ortsnähe anzulegen, der auch von Höhfröschen aus leichter zu erreichen war als die Meisenbach. Aber erst 1896 wurde an der Distriktstraße von Thal- nach Höhfröschen durch die protestantische Cultusgemeinde Fröschen Gelände angekauft und der noch heute bestehende Friedhof angelegt.
Noch im gleichen Jahr wurde das Gelände geebnet, eingefriedet und mit einem Eingangstor versehen und konnte nun als neuer Friedhof zunächst nur für die protestantischen Bürger beider Ortsteile, die ja eine politische Gemeinde bildeten, benutzt werden.
Der Friedhof in der Meisenbach wurde noch eine zeitlang für Bestattungen in den Familiengräbern weiterbenutzt. Laut einem Beleg in der Gemeinderechnung für das Jahr 1910 wurde an Maurer K. Huber aus Thaleischweiler für Reparatur der alten Friedhofsmauer 58,— Mark bezahlt. Hier arbeiteten zwei Leute mehrere Tage; es handelte sich also vermutlich um eine größere Reparatur. Auch 1914 wurden nochmals für sechs Tagwerk Instandsetzungsarbeiten 15,— Mark bezahlt.
Noch bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts wurden einzelne Gräber gepflegt. Erst nach einer mutwilligen Zerstörung vieler Grabdenkmäler im Jahre 1938 bildete sich immer mehr Gestrüpp und Gebüsch und Friedhof und Kapelle verbargen sich nach und nach in einer fast undurchdringlichen Wildnis.'
Erfreulicherweise fanden sich Mitte der fünfziger Jahre, wie bereits eingangs erwähnt, eine Anzahl Idealisten, die den Friedhof und die Kapelle säuberten und in ihren heutigen Zustand versetzten.
. Es wäre zu wünschen, daß die geringen Überreste der St.-Cyriakus-Kapelle und der Friedhof in unserer von Zeugen der Vergangenheit so armen Umgebung für unsere Nachfahren zumindest in ihrem heutigen Zustand erhalten blieben.
Benutzte Literatur:
1 750 Jahre Thaleischweiler-Fröschen; S. 176
2 A. Neubauer; Regesten des ehemaligen Benediktiner-Klosters Hornbach; Mitt. d. Historischen Vereins der Pfalz; 1904; Weistum von Fischbach — 1369.
3 Gümbel; Geschichte der Prot. Kirche der Pfalz; S. 470
4 W. Siegl; Familien-Chronik v. Höhfröschen — 1730-1815
5 F. Claus; Maria-Rosenberg; S. 346
6 dito; S. 77/78
7 siehe Nr. 1; S. 285

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