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Aus der Lebensgeschichte des Schwarzbachs
Heimatkalender für das Pirmasenser und Zweibrücker Land 1975 - VON BRUNO SPOSNY, Höheinöd

 

Schwarzbach Verlaufsskizze-600
Zunächst eilt das muntere Bächlein nach Südwesten. Von Norden, Süden und Osten fließt ihm Gesellschaft zu, Pferdsbrunnen und Teufelsbrunnen sind die ersten, Schleifenbächel, Rauschenbach, Hundsbächel und Dinkelsbächel kommen später hinzu, ungezählt bleiben die Quellen im Talgrund, die ihm ihr Wasser spenden. So fließt er als. echter Forellenbach in einem sich mehr und mehr weitenden Tal in Richtung Burgalben.
Lange Zeit waren die Hundsweihersägemühle und unterhalb dieses Gehöftes ein Forsthaus auf dem linken Ufer die einzigen menschlichen Behausungen. Heute lockt der Clausensee viele Besucher an, von denen manche auf dem ausgedehnten Campingplatz schon zu Dauergästen geworden sind.
Gegenüber dem Forsthaus, auf der Höhe zur rechten Hand, stehen die Reste der sogenannten Heidelsburg, die uns erzählen „von den gallischen Ureinwohnern und von den romanisierten Provinzialen, von der Baukunst beider Völker und von den Tragödien, welche hier, auf menschenentlegener Felsenhöhe, sich vor anderthalb Jahrtausenden abgespielt haben"². Die mächtigen Quader, Reste einer Befestigungsanlage, lassen die Bedeutung dieser Burg ahnen³.

Der Schwarzbach hatte viele Namen


Erst die neuere Zeit nennt den Bachlauf im Talgrund einheitlich von der Quelle bis zur Mündung „Schwarzbach". Noch 1888 spricht 0. E. Gross von „Burgalb" oder „Schwarzbach"(4). Lange gebräuchlich war der Name „Erbach". Noch in dem: pfälzischen Geschichtsatlas von Dr. Wilhelm Winkler aus dem Jahre 1935 wird dieser Name verwendet.
Georg Biundo versucht den Namen Erbach wie folgt zu deuten:(5) Erbach kommt von „Oehrbach". „Oehr", „öhr" oder „Ohr" sind Wörter der Mundart für Ahorn. Das „Oe" wird im täglichen Sprachgebrauch zu „E". So könnte der Name „Erbach" entstanden sein.

 Dieser Deutung zufolge müßte das Tal früher von auffallend vielen Ahorn-bäumen „bevölkert" gewesen sein. Heute sind solche Bäume dort selten zu finden. Ein typischer Bachbegleiter war vielmehr die Erle. Eine Deutung des Namens von „Erlenbach" über „Erlbach« zu „Erbach" ist deshalb wahrschein- licher.
Es tauchen noch andere Namen auf. L. Kampfmann berichtet aus einer alten Urkunden vom Dorf Reschweiler an der Stelle, „da die Wallalbe und die Rotalbe zusammenfließen". Ein anderer Historiker hat weitere Namen festgestellt, die der Schwarzbach bis Zweibrücken trug: Mühlbach, Gooßbach, Steinalbe, Genßwasser, Geußbach, Steinbach, Geinswasser (7). Diese Namen besagen nicht nur, daß er Tummelplatz für Gänse war, sondern deuten auch auf die Mühlen hin, die der Bach trieb, angefangen bei der Burgalber Mühle bis zur Mündung in die Blies, westlich von Zweibrücken; der Schwarzbach wurde zum dienstbaren Partner.


Siedlungsnamen (Steigen, Thaleischweiler-Fröschen, Meisenbach)

 Frühe Besiedlung, Verkehrswege

 Regulierung des Schwarzbachs

 9 Ohne Verfasser: Flurnamen und Funde erzählen vom alten Dorf Steigen, Die Rheinpfalz, Ausgabe Pirmasens vom 7. 11. 1952

10 L. Kampfmann, zitiert nach Biundo, a. a. 0., S. 18
11 Georg Biundo, a. a. O., S. 57
i2 Ernst Christmann: Die neue Heimat des fränkischen Bauern Agiso, Pirmasenser Heimatblätter vom 3. 4. 1958, Nr. 1 f.
13 Georg Biundo, a. a. 0., S. 5
14 Jaques Moreau: Die Welt der Kelten, Stuttgart 1958, S. 14
15, Georg Biundo, a. a. 0., S. 8
10 Georg Biundo, a. a. 0., S. 7
17 Georg Biundo, a. a. 0., S. 8
18 0. E. Gross: a. a. O. Die Angaben über die Verkehrswege sind einer dort verzeichneten Karte entnommen.
19 Albert Becker: Ein Tal im Westrich, das Schwarzbachtal, Pfälzische Rundschau vom 29. 4. 1934, Nr. 99
20 August Becker: a. a. 0., S. 649
21 Ohne Verfasser: Ein Werk ist vollendet. Fertigstellung der Schwarzbachregulierung in Thaleischweiler-Fröschen, NSZ Rheinfront, Ausg. Pirmasens v. 31. 12. 1936, Nr. 304

Der Schwarzbach begann im Laufe der Zeit das Tal wieder zu überschwemmen. In den zwanziger Jahren stellte man mit Verärgerung fest, daß das Bachbett mehr und mehr versandete, „auch bei normalen Witterungsverhältnissen war kein Abfluß bei einem Großteil der Wiesen mehr möglich."(21)  So beschloß man eine neue Regulierung im Gebiet Thaleischweiler-Fröschen. Diese Maßnahme, deren Folge nicht nur ein geregelter Abfluß der Wassermengen war, sondern auch einen erheblichen Zuwachs an Neuland bedeutete, wurde vom 1. 3. 1933 bis zum Jahresende 1936 durchgeführt. Es ist beruhigend zu wissen, daß seit dieser Regulierung eine Wassergenossenschaft über die Wasserverhältnisse wacht, daß darüber hinaus auch Ingenieure des Wasserwirtschaftsamtes Kaiserslautern ständig mit der Überwachung betraut sind.

Wenn es früher darum ging, für einen geregelten Ablauf des Wassers zu sorgen, damit Hab und Gut der Menschen, sowie die für die Landwirtschaft wichtigen Acker und Wiesen geschützt waren, so geht es heute und in Zukunft noch mehr darum, der Verschmutzung des Wassers Einhalt zu gebieten, damit wir den Lebensraum erhalten, der vor uns schon für viele Menschen Heimat war.
Literaturangabe:
1 August Becker: Die Pfalz und die Pfälzer, Neustadt/Haardt 1924, 3. Aufl., S. 638 f.
2 0. E. Gross: Zur Geschichte des Pfälzischen Holzlandes, Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz, Band 13, Jhrg. 1888, S. 48-60
3 Ausführlich berichtet Otto Klesmann über die Heidelsburg im Heimatkalender 1973, S. 155 ff.
4 O. E. Gross: a. a. O. --
5 Georg Biundo: Geschichte Thaleischweilers und seiner Umgebung, Selbstverlag, Zweibrücken 1924, S. 5
s L. Kampfmann, zitiert nach Biundo, a. a. 0., S. 9
7 Ohne Verfasser: In Freud und Leid ein treuer Helfer, Pfälzisdwr Merkur Zweibrücken, Wochenbeilage: Aus heimatlichen Gauen, vom 21. 4. 1951
8 L. Kampfmann, zitiert nach Biundo, a. a. 0., S. 25  
Das Tal und die umliegenden Höhen waren schon zur Stein- und Bronzezeit besiedelt, das beweisen die zahlreichen Funde. In der Gemarkung Thaleischweiler sind besonders Funde aus der Mittel- und Jungsteinzeit auf dem Sandhübel zu verzeichnen. Zahlreiche Kettengräber, für den Laien kaum erkennbar, sind noch erhalten (bei Waldfischbach, bei Höheinöd, bei Thaleischweiler-Fröschen, bei Herschberg usw.). Aus der Zeit der alemannischen und fränkischen Besiedlung lassen sich viele Ortsbezeichnungen nachweisen.
Die Jäger und Sammler der Frühzeit streiften durch die endlosen Wälder, sie benötigten noch keine ausgebauten Verkehrsverbindungen. Erst die Bewegungen_ von Truppen und Wagen machten Verkehrswege erforderlich. Als die Römer nach dem Norden kamen, fanden sie solche Wege bereits vor. Wer mag diese alten Verkehrswege angelegt und benutzt haben? Waren es die Kelten, deren Stamm der Mediomatriker in unserer Gegend wohnte? Waren es unbekannte Völkerscharen, die lange schon vor den Kelten über diese Erde gingen?
Die Römer bauten die Wege systematisch zu Straßen aus. Solche Römerstraßen kreuzten das Schwarzbachtal an verschiedenen Stellen, so bei der-Heidelsburg und am Steinenschloß, wo die Straße von Höheinöd über das Moorfeld kam und in Richtung Pirmasens/Fehrbach weiterführte. Eine andere Straße kreuzte das Tal zwischen Höhmühlbach und Rieschweiler. Zwischen Biebermühle und Burgalben führte eine Straße parallel zum Bachlauf auf dem erhöhten Ufer(18). Diese Straßen im Tal waren unsicher wegen der häufigen Überschwemmungen.
Die römischen Straßen genügten den Verkehrsverhältnissen für Jahrhunderte. Erst die dichtere Besiedlung und der zunehmende Verkehr machten neue Maßnahmen erforderlich. 1826-1829 führte der Staat eine „neuzeitliche Straße über Contwig, Stambach, Falkenbusch und Bärenhütte nach Landau"(19) (heutige B 10). (Bei dieser Quelle ist eine Notiz interessant: Als 1829 König, Ludwig I. diesen Weg zog, kredenzte der Hausherr von der „Luscht", der Ludwigslust bei Stambach, der Zweibrücker Hofapotheker Georg Ludwig Hopff seinem König einen Becher selbstgebauten edlen Stambachers. Albert Becker vermerkt, daß diese edle Bacchusgabe bis nach Eischweiler [Thaleischweiler] gedieh.) Die Verkehrswege im oberen Schwarzbachtal wurden einige Jahrzehnte später ausgebaut. Eine Voraussetzung für den Bau der Distriktstraße nach Thaleischweiler war ein Gradstrich des Schwarzbachs, der zwischen 1855 und 1856 durchgeführt wurde. Mit dem Bau dieser Straße wurde auch eine feste Brücke zwischen Thaleischweiler und Fröschen über den Schwarzbach geführt.
In den siebziger Jahren konnte die Bahnlinie Landau-Zweibrücken gebaut und 1875 in Betrieb genommen werden. Es entwickelte sich ein reger Verkehr. Kohlen wurden vom Saarland an den Rhein transportiert, auf dem Rückweg brachten die Züge das notwendige Grubenholz, mit, das bis dahin noch immer durch Flößerei auf dem Schwarzbach befördert worden war(20). Schon 1887 wurde ein zweites Gleis verlegt, das allerdings von den Besatzungsmächten nach dem zweiten Weltkrieg demontiert wurde.
Wie der Mensch dem Bach Namen gab, so gab auch der Schwarzbach den Siedlungen der Menschen Namen. Die Gemarkung von Thaleischweiler betritt er in den „Steinbrücker Wiesen". Hier lag das Dorf „Steigen", 1564 schon „eine wüste Dorfstätte am Einfluß der Moosalbe (= Schwarzbach) in die Rodalbe"(8). Etwa um 1150 siedelten sich hier am Fuße des Berges, der noch heute die Ruinen des ,,Steinenschlosses" trägt, Bauern an. 1862 hat man beim Bau der Distriktstraße nach Thaleischweiler Grundmauern einer Siedlung im Tal gefunden'. Der heute gebrauchte Name „Steinenbrücke" hat wahrscheinlich nichts mit einer „steinernen Brücke" zu tun, er rührt her von „Steigen" und dieses Wort wiederum von „Steg". Die Siedlung entstand also um einen Steg über den Bach, gemeint war gewiß eine hölzerne Brücke oder eine einfache Furt, wo eine schon zur Römerzeit vorhandene Straße den Bachlauf überquerte. Die Mundart machte aus „Steigener Wiesen" die „Schtäner Wisse" und aus der „Steigener Brücke" ,die „Schtäner Brick". Da das Wort „Schtä" auch für „Stiege" (hölzerne Treppe) und für „Stein" gebraucht wird, doch die Bedeutung „Stein" hier näher lag, hat sich mit „Steigen" die Vorstellung „Stein" verbunden. Von dieser Gedankenverbindung her ist das Mundartwort in die Hochsprache übernommen worden. Die Umgebung „versteinte", so das „Steinbachtal", durch das die Bundesstraße B 270 nach Pirmasens führt und der „Steinberg", westlich des Steinbachtals. Auch der Name „Steinenschloß" ist so zu erklären. Der ursprüngliche Name dieser Burganlage ist nicht bekannt. Am Fuße des Schloßberges muß auch eine Mühle gestanden haben. 1295 ist hier eine „mulin zu Steigen" bezeugt(10).
Auch der Name Thaleischweiler (diese amtliche Schreibung seit 1846(11) rührt vom Schwarzbach her. Ernst Christmann hat die Theorie vertreten, Thaleischweiler sei der „Weiler des Iso oder Agiso" gewesen, wie Maßweiler der ,,Weiler des Maso" war (12). Die Deutung Biundos: Frühere Namen von Thaleischweiler waren „Eisweiler", „Eischweiler" oder „Eyschweiler". Die Silbe „eis" oder „eisch" weist auf die keltische Zeit zurück und entspricht dem keltischen ;,uisey` , verwandt mit dem irischen „uiseg", welches Wasser bedeutet (13). Die bekannte Bezeichnung „weiler" oder „wiler" ist alemannischen Ursprungs. Somit wäre „Eischweiler" eine Siedlung am Wasser, möglicherweise gegründet von einer Mischbevölkerung aus Kelten und Alemannen. Es wäre schon denkbar, daß eine überragende Persönlichkeit mit Namen Iso oder Agiso der Siedlung den Namen gab. Wahrscheinlicher aber ist die Wurzel doch in der keltischen Sprache zu suchen. Diese Ansicht wird unterstützt durch die Tatsache, daß sich in unserem Raum keltische Bezeichnungen bis auf den heutigen Tag gehalten haben. So sind die Namen Rhein, Glan, Neckar u. a. eindeutig keltischen Ursprungs(14)
Das gegenüberliegende Fröschen, früher „Frosouwa", dessen Namen sich aus fros" = Frosch und and. ouwa" — owa" mhd. ouwa" ow" au" zusammensetzt, bedeutet „Froschau", erklärlich durch das Vorhandensein vieler Frösche in den abgestandenen Wassern des Tales. So hat das heutige Fröschen, Ortsteil von Thaleischweiler-Fröschen, seinen Namen von einer „Froschwiese"(15).
Auch das untergegangene Dorf Meisenbach sei erwähnt. Seine Kapelle, einst dem heiligen Cyriakus geweiht, ist heute nur noch als Ruine etwa 1 km talabwärts von Fröschen inmitten des Meisenbacher Friedhofs zu sehen.
Meisenbach war die älteste fränkische Siedlung der Gegend (16). „Bach" ist ein fränkisches Grundwort. „Meisen", and. „mios", mhd. „mies", bedeutet „Sumpf". Meisenbach war also eine Siedlung an einem sumpfig fließenden Bach (17). Der Friedhof mit seiner historischen Ruine verfällt immer mehr. Es wäre endlich an der Zeit, daß hier die Reste einer untergegangenen Siedlung vor der endgültigen Zerstörung bewahrt werden.

 

Von den Höhen des Pfälzerwaldes kommend, teilt der Schwarzbach in fast konstanter Ost-West-Richtung die Südwestpfälzische Hochfläche in zwei nach ihrer landschaftlichen Eigenart etwas voneinander verschiedene Gebiete: die Sickinger Höhe, die sich nördlich des Schwarzbachs ausdehnt und bis zum Landstuhler Bruch reicht, und das Zweibrücker Hügelland, das sich südlich hinzieht. Der Schwarzbach ist der Vater der Gegend.
In den einsamen Wäldern des Eschkopfs, südwestlich von Johanniskreuz, tritt er zutage. Sein klares Wasser füllt den Burgalbweiher, sprudelt durch eine 'hölzerne Rinne in eine Brunnenschale (stammt aus dem Garten des Trippstadter Schlosses), fließt in silbrigen Strähnen über die steinernen Laubgehänge des Beckenrandes und stürzt sich in eine waldige Klamm; der Weg nach Westen beginnt. Nach achtstündigem Lauf wird er seine Wasser in die Blies schütten.
Wenn man durch die unberührte Einsamkeit der Wälder um das Quellgebiet wandert, kann man sich kaum vorstellen, daß hier während der Französischen Revolution ein blutiger Kampf zwischen Preußen und Franzosen tobte. August Becker berichtet', wie die Franzosen 1794 die Preußen auf den Trippstadter Höhen angriffen, einen Flügel des Schlosses zerstörten, die preußischen Linien durchbrachen und die „Hochstraße" einnahmen, jene, seit den Tagen der Römer strategisch wichtige Verbindung von der Haardt über den Eschkopf und Johanniskreuz nach Kaiserslautern.

 

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