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Johann Wilhelm Knapp, ein Napoleonskämpfer aus Thaleischweiler

Von Christian Gortner- Heimatkalender 1982, Seite 121-123

Unser Napoleonskämpfer hat zwar nicht am Feldzug nach Moskau teilgenommen und deshalb auch nicht den Rückzug und den Untergang der glorreichen und sieggewohnten Armee Napoleons im Winter 1812/13 miterlebt. Trotzdem ist die Geschichte, von der hier berichtet wird, es wert, der Nachwelt erhalten zu bleiben, zumal es sich bei dem Genannten um einen gebürtigen Thaleischweilerer gehandelt hat.
Seine Eltern stammten zwar nicht von hier; die waren aus Hütschenhausen zugezogen. In dem Sterberegister von Thaleischweiler taucht der Name Knapp nach 1800 nicht auf. Es ist daher anzunehmen, daß die Familie später wieder verzogen ist. Vielleicht nach Rieschweiler, wo der Name in jener Zeit und auch heute noch des öfteren erscheint. Der Vorname des Vaters ist nicht bekannt; daher war eine Nachprüfung nicht möglich. Auch die Geburt unseres Helden kann urkundlich nicht nachgewiesen werden, da die Geburtsregister in Thaleischweiler erst seit 1798 geführt werden. Zu dieser Zeit war er aber schon neun Jahre alt. Seinem Sohn, von dem wir später noch hören werden, hat er jedenfalls überliefert, daß er in Thaleischweiler geboren war.

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Johann Wilhelm Knapp war 17 Jahre alt, als er sich im Jahre 1806 von hier aus zu Fuß auf den Weg nach Mainz machte, um sich dort von den Franzosen zum Militärdienst anwerben zu lassen. Diese wiesen jedoch das schmächtige Bürschchen schon wegen seines jugendlichen Alters zurück. Aber so leicht gab er sich nicht geschlagen. Er wies darauf hin, daß er in kurzer Zeit von seinem Geburtsort Thaleischweiler zu Fuß nach Mainz marschiert war und damit seine Tauglichkeit genügend unter Beweis gestellt hatte. Diesem Argument konnten sich die Franzosen offensichtlich nicht verschließen und nahmen den Bewerber schließlich doch an.
Aus dem jungen Bürschlein wurde bald ein brauchbarer Soldat, der den Anforderungen des napoleonischen Heeres voll und ganz genügte. Ja, er brachte es in verhältnismäßig kurzer Zeit sogar zum Unteroffizier. Als solcher nahm er am 21. und 22. Mai 1809 an der Schlacht bei Aspern teil, bei der Napoleon gegen den österreichischen Heerführer Erzherzog Karl seine erste Niederlage einstecken mußte. Nach einem kurzen Waffenstillstand kam es erneut zur Schlacht. Auf der Seite Napoleons standen 160000 Mann und 584 Geschütze, während die Osterreicher unter Erzherzog Karl nur 110000 Mann und 452 Geschütze aufbieten konnten. Die beiden Heere trafen am 5. Juli 1809 bei Wagram nördlich von Wien aufeinander. Den ersten Tag standen die Osterreicher trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit noch siegreich durch. Am zweiten Tag versuchte Napoleon, die gegnerische Frontlinie zu durchbrechen. Dieses Vorhaben wurde aber durch den Beschuß einer Anzahl feindlicher Geschütze stark behindert. Auf ihre Stellung hindeutend, sagte Napoleon in kurzem Ton: „Die Batterie dort stört mich!" Für den Unteroffizier Knapp, der in der Nähe stand, war diese Bemerkung des Kaisers ein Befehl. Kurz entschlossen machte er sich mit seinem Zug daran, die Geschütze durch einen Handstreich außer Gefecht zu setzen. Trotz starken feindlichen Feuers gelang es ihm, in die Nähe der Batterie zu kommen. Mutig stürzte er sich mit seiner Schar auf die Bedienungsmannschaften der immer noch feuernden Kanonen. Aber gar so leicht wurde es den Angreifern nicht gemacht. Bei dem entstandenen Handgemenge erhielt Knapp einen Bajonettstich durch die Wange über das Auge hinweg in die Stirnhaut und einen Schuß in den rechten Oberschenkel.
Das kühne Unternehmen hatte den gewünschten Erfolg. Der Kaiser hielt den durch die wackere Tat für seine Armee erzielten Vorteil für so groß, daß er den Verwundeten sofort auszeichnete. Noch auf dem Schlachtfeld heftete er ihm eigenhändig ein Ehrenzeichen, nämlich ein weiß emailliertes Kreuz, an die Brust. Die Schlacht wurde gewonnen, und die tapfere, wagemutige Tat des Unteroffiziers Knapp aus Thaleischweiler dürfte ihren Teil zum Sieg beigetragen haben.
Mit der Verleihung dieses Ordens war zugleich eine jährliche Rente verbunden, die auf die kommenden Geschlechter, jeweils auf den ältesten Sohn oder auf die älteste Tochter vererbt werden sollte, sofern diese mit einem französischen Offizier verheiratet war.
Knapp, nunmehr Invalide, heiratete im Jahre 1816 eine Bürgerstochter von Rehborn. Wie er dort hingekommen ist, konnte nicht ermittelt werden. Ein Jahr darauf wurde ihm ein Sohn geboren, der auf den Namen Wilhelm getauft wurde. Dieser erzählte später, sein Vater habe es nie lange zu Hause ausgehalten. Immer wieder hätte es ihn zu seinen alten Kriegskameraden in der Pfalz und im Elsaß gezogen. So kam es auch, daß er nicht in Rehborn, sondern am 15. Februar 1834 in Weißenburg, wahrscheinlich an den Folgen einer Blutvergiftung, gestorben ist, da die Kugel im Oberschenkel nicht entfernt werden konnte.
Nun fiel die Rente seinem Sohn Wilhelm zu, dem sie eine Ausbildung zum Lehrer in Kaiserslautern und danach ein vier Jahre dauerndes Studium in Mathematik und Französisch in Paris ermöglichte. Wieder in die Heimat zurückgekehrt, fand er eine Anstellung in Neustadt und später am Progymnasium in Frankenthal. Nach seiner Pensionierung im Jahre 1891 siedelte er nach Ludwigshafen a. Rh. und etliche Jahre später nach Mannheim über, wo er nicht lange nach der Jahrhundertwende starb. Die von seinem Vater ererbte Rente bezog er bis zu seinem Tod. Da er keine Nachkommen hatte, erlosch mit ihm das napoleonische Vermächtnis.
Quelle: Ph. Sponheimer: Johann Wilhelm Knapp, ein tapferer pfälzischer Napoleonskämpfer — Heimatblätter für Ludwigshafen a. Rh. und Umgebung Nr. 17 Jahrgang 1931.

 

 

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