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750-Jahr-Feier in Thaleischweiler-Fröschen im Jahr 1987

Von Chrisitan Gortner  - Heimatkalender 1988 für das Pirmasenser und Zweibrücker Land

Jubiläen sind nicht nur Höhepunkte im Leben eines einzelnen, sondern auch im Leben einer Gemeinde. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn eine Gemeinde auf ihr 750jähriges Bestehen zurückblicken kann, wie es in diesem Jahr bei der Schwarzbachgemeinde Thaleischweiler-Fröschen der Fall war. Solche Ereignisse sind Meilensteine in der Geschichte eines Ortes, die nicht nur Anlaß sind, einen Blick in die Vergangenheit und auf die Geschichte desselben zu werfen, sondern sie bieten gleichzeitig auch eine gute Gelegenheit, diese Ereignisse festlich und würdevoll zu begehen.
Die Ortsgemeinde Thaleischweiler-Fröschen hat aus Anlaß ihres 750jährigen Bestehens eine Reihe von Festlichkeiten durchgeführt, an denen nicht nur die jetzigen, sondern auch die früheren Bürger des Ortes und die Bevölkerung aus der näheren und weiteren Umgebung teilnahmen.
Der Reigen der Festlichkeiten wurde bereits am 4. Januar dieses Jahres durch einen Neujahrsempfang des Ortsbürgermeisters Klaus Lorenz eröffnet, zu dem Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die beiden Ortsgeistlichen, die Lehrerschaft, der Ortsgemeinderat und die Mitglieder der einzelnen Arbeitskreise eingeladen waren.
Bei dieser Gelegenheit brachte der Ortsbürgermeister zum Ausdruck, daß sich der Ortsgemeinderat entschlossen habe, das 750jährige Jubiläum des Ortes in würdiger Weise zu begehen. Der materielle Aufwand für das Fest stehe eindeutig im Schatten der ideellen Investitionen. Diese Investitionen in die Vergangenheit müßten sich auf die Gegenwart und die Zukunft der Gemeinde wieder erfolgversprechend auswirken.
Am 30. April wurde das mit Spannung erwartete Festbuch zur 750-Jahr-Feier, das vom Arbeitskreis „Festbuch` ` unter dem Vorsitz von Christian Gortner erstellt worden war, in einer kleinen Feierstunde der Bevölkerung vorgestellt. Das 570 Seiten umfassende Werk enthält unter anderem die Orts-, die Kirchen- und die Schulgeschichte nach den neuesten Forschungen und Erkenntnissen. Damit wurde es der Bevölkerung und vor allen Dingen der Jugend ermöglicht, sich mit der Vergangenheit und der Geschichte ihres Heimatortes zu befassen und sich mit ihr vertraut zu machen.
Ein Höhepunkt im Ablauf der Festlichkeiten im Jubiläumsjahr war unzweifelhaft der große Festakt in der festlich geschmückten Sporthalle. Zahlreiche Ehrengäste aus Staat, Politik, dem öffentlichen und kirchlichen Leben konnten begrüßt werden, darunter der Kultusminister von Rheinland-Pfalz, Dr. Georg Gölter, als Festredner, und als besondere Ehrengäste Karl Einich, den Erbprinzen zu Leiningen und seine Gattin. Mit ihrer Anwesenheit und ihrem Namen war zugleich eine Brücke in die Vergangenheit geschlagen, hat doch ein Teil Thaleischweilers über 500 Jahre zur Grafschaft Leiningen, wenn auch verschiedenen Linien, gehört.
Dr. Georg Gölter wies in seiner Festrede darauf hin, daß er gern nach ThaleischweilerFröschen gekommen sei. Das sei keine Floskel, sondern er kenne den Ort von Kindesbeinen an; denn seine Großeltern seien hier begraben und sein Vater hier geboren. Er habe im Haus seines Großvaters glückliche Kinderjahre verbracht, an die er sich heute noch gern erinnere. Keiner war daher mehr prädestiniert gewesen, die Festrede zu halten, als der Kultusminister selbst.
Er beleuchtete die oft leidvolle Geschichte des Ortes mit all ihren Tiefen und Höhen, die Zerstörung im 30jährigen Krieg, die Wiederbesiedlung und den mühevollen Wiederaufbau. In jener Zeit sei Thaleischweiler Pfarrort und Sitz eines Gerichts gewesen. Die zentrale Funktion, die der Ort früher besessen habe, sei ihm mit der Bildung der Verbandsgemeinde wieder zurückgegeben worden.
Der Festakt wurde musikalisch mit Liedvorträgen des gemischten Chors des Gesangvereins Thaleischweiler-Fröschen unter der Leitung von Claus Helfrich und von Darbietungen des Kammerorchesters der Volkshochschule Pirmasens unter der Leitung von Karlheinz Metz umrahmt, die der Veranstaltung einen feierlichen, weihevollen und würdigen Rahmen verliehen.
Die französischen Freunde aus der Partnerschaftsgemeinde Presles hatten es sich nicht nehmen lassen, mit einer Abordnung an diesem denkwürdigen Ereignis teilzunehmen.
Im Anschluß an den in jeder Hinsicht gelungenen Festakt fand noch ein gemütliches Beisammensein mit einem kleinen Umtrunk für die Gäste und die Bürger statt.
Wie alle Feierlichkeiten, die bis zu diesem Zeitpunkt aus Anlaß und im Rahmen der 750-Jahr-Feier durchgeführt wurden, war auch das am 4. und 5. Juli in der Hauptstraße durchgeführte Straßenfest ein voller Erfolg. Das herrliche Sommerwetter trug wesentlich dazu bei, daß der Besucherstrom aus nah und fern nicht abriß.
Mit dem Straßenfest war eine Hobby-Ausstellung im Dorfgemeinschaftshaus und eine Gemäldeausstellung im kleinen Sitzungssaal des Rathauses mit einheimischen Künstlern verbunden. Damit war den Besuchern zugleich die Möglichkeit gegeben, sich über das künstlerische Schaffen innerhalb der Gemeinde zu informieren. Die Ausstellungen erfreuten sich eines regen Besuches.
Die Ortsgemeinde hatte eine Reihe namhafter Musikkapellen verpflichtet, die das Fest musikalisch umrahmten und mit ihren volkstümlichen Weisen wesentlich dazu beigetragen haben, daß sich das Straßenfest zu einem wahren Volksfest steigerte.

Festansprache Dr Goelter_400          Gala Abend_400       
dr. Georg Gölter hat im Haus seines Großvaters glückliche Kinderjahre in Thaleischweiler-Fröschen verbracht Tony Marshall sorgte beim Gala-Abend für gute Stimmung


Waren schon der Festakt mit seiner feierlichen und würdigen Atmosphäre, und das Straßenfest Höhepunkte im Festablauf des Jubiläumsjahres gewesen, so wurde der am ersten Wochenende im September mit dem Show-Star Tony Marshall durchgeführte Gala-Abend zum Glanzpunkt, und der 100 Zugnummern umfassende historische Festzug als Abschluß der Feierlichkeiten zur Krönung der 750-Jahr-Feier.
Bereits am Freitagnachmittag gastierte der Saarländische Rundfunk mit seiner „Superbox` ` im Festzelt. Zahlreiche Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, hatten sich zu der Veranstaltung eingefunden. Aber keinem der Mitwirkenden aus den Zuschauerreihen war es gelungen, die „Superbox" mit fast 600 Mark zu knacken.
Am Abend traf sich die Jugend aus Thaleischweiler-Fröschen und der näheren Umgebung im Festzelt zu einem Disco-Video-Abend, zu dem ungefähr 1000 Fans erschienen waren, bei dem es ziemlich „fetzig" zuging.
Ein Glanzpunkt der Festlichkeiten war der Gala-Abend am Samstag mit dem Show-Star Tony Marshall und seiner Show-Band „Aramis" im restlos ausverkauften Festzelt.
Ein unvergeßliches Ereignis in der Geschichte von Thaleischweiler-Fröschen und zugleich die Krönung der 750-Jahr-Feier war ohne Zweifel der historische Festzug am Sonntagnachmittag. Etwa 30000 Zuschauer aus nah und fern waren gekommen und säumten dichtgedrängt die mit Fahnen, Fähnchen und frischem Birkenreiser festlich geschmückten Straßen, durch die sich der Zug bewegte. Was hier von den Vereinen, Verbänden, Gewerbetreibenden und den anderen am Festzug Beteiligten geleistet wurde, verdient höchstes Lob. Irgend einen Wagen oder eine Gruppe hervorzuheben, wäre ungerecht; denn sie haben alle ihr Bestes gegeben, um den Zug zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden zu lassen. Insgesamt 1350 Personen haben sich an dem Zug beteiligt, der aus 100 Zugnummern bestand, eine Länge von 3,5 km hatte und zwei Stunden dauerte. Die Kostümierung war sehr gut. Die Steinzeitmenschen mit ihrer Fellbekleidung wirkten ebenso echt wie die Mönche der Cyriäkus-Kapelle oder die Pestgruppe aus der Zeit des 30jährigen Krieges. Alle Zuschauer waren aufs höchste begeistert und geizten nicht mit ihrem Beifall für die einzelnen Gruppen.
Vor den Augen der Besucher vollzog sich noch einmal die Geschichte der Schwarzbach-gemeinde mit ihrer wechselvollen Vergangenheit. Ein Herold hoch zu Roß kündigte mit Fanfarenklängen den Festzug an. Dann zogen die Menschen der Steinzeit, die Kelten und Römer sowie die Germanen vorbei. Die Zugnummern mit den Ruinen der Cyriakus-Kapelle und des Steinenschlosses erinnerten an zwei ehemals geschichtlich bedeutsame Bauwerke unserer Heimat. Umwälzende Ereignisse wie die Reformation, der Bauern- und der 30jährige Krieg mit der Pest waren ebenso eindrucksvoll dargestellt wie die französische Revolutionszeit mit der darauffolgenden Besetzung und die vorübergehende Zugehörigkeit zu Frankreich. Es folgte die bayerische Zeit, die Zeit der Postkutschen und der Eisenbahn sowie der beiden Weltkriege.
Einen breiten Raum im Festzug nahmen die alten Handwerksberufe ein wie Müller, Bäcker, Metzger, Zimmermann, Dachdecker, Schreiner, Schuhmacher, Hufschmiede, Scherenschleifer, Korbmacher und viele andere, wie sie noch in den früheren Kirchenbüchern zu finden sind.
Den Abschluß des historischen Teils des Festzuges bildete ein Wagen mit einer deutschfranzösischen Zollstation mit geöffneter Zollschranke, der die Partnerschaft mit Presles und die Aussöhnung mit Frankreich symbolisierte.
Nicht weniger als 13 Musik-, Fanfaren- und Spielmannszüge aus der näheren und weiteren Umgebung, aus dem Saarland, ja sogar aus dem Elsaß und aus Lothringen beteiligten sich am Festzug. Erfreulich war aber auch die Beteiligung auswärtiger Gruppen, die es sich nicht nehmen ließen, an dem Festzug teilzunehmen.
Dieser Festzug war nicht nur der krönende Abschluß der 750-Jahr-Feier, sondern mit dem Festakt das größte und herausragende Ereignis in der bisherigen Geschichte von Thaleischweiler-Fröschen. Das Festjahr hat aber auch bewiesen, daß die Bürger der Gemeinde es nicht nur verstehen, Feste zu feiern, sondern, wenn es sein muß, auch zusammenzustehen, um das Unmögliche möglich zu machen. Darauf und auf ihren Heimatort können sie stolz sein.
 

 

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