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Französische Besetzung und Zugehörigkeit zu Frankreich

Sein Nachfolger war Karl Friedrich Philipp Jäger aus Guntersblum, vorher Pfarrer in Wallhalben. In seine Amtszeit fallen die Bedrückungen durch die französische Besatzung und Verwaltung. Die Pfarrer waren die Vertreter der alten Ordnung, die nach den Ideen der Französischen Revolution bekämpft werden mußten. Durch die Einführung des französischen Kalenders fielen nicht nur die Sonn- und Feiertage, sondern auch die kirchlichen Feste weg. Jede Art von Gottesdienst außerhalb der Kirchen wurde bei einer Geldstrafe von 500 Lire und einer Gefängnisstrafe bis zu zwei Jahren verboten. Kein Geistlicher durfte bei Beerdigungen im Talar oder priesterlichen Gewand erscheinen, sondern mußte bürgerliche Kleidung tragen. Die Toten mußten ohne Glockengeläut und ohne Segen der Erde übergeben werden. Trotz aller Verbote amtierte Pfarrer Jäger bei Beerdigungen in der althergebrachten Weise.53) Während der französischen Besetzung der Pfalz wurde die Kirche etwa ab 1800 allen drei Konfessionen zur Benutzung eingeräumt. Die Gottesdienste wurden folgendermaßen geregelt: von 7.00 — 9.00 Uhr katholischer, von 9.00 — 11.00 Uhr lutherischer und nachmittags von 13.00 — 15.00 Uhr reformierter Gottesdienst. Hierauf reichten die Lutheraner eine Petition an den Präfekten des Departement „Mont Tonnere" ein, welche auch von Erfolg begleitet war. Noch im gleichen Jahr wurden sie wieder in ihre Rechte eingesetzt.
Nach dem 30jährigen Krieg waren, wie schon dargelegt wurde, sehr viele Schweizer, die dem reformierten Glauben angehörten, und einige Katholiken in unseren Ort gekommen. Während der Schweizer Reformator Zwingli im Abendmahl nur eine Erinnerungsfeier an Christus erblickte, glaubt Luther an seine Gegenwart. Diese beiden Auffassungen waren in jenen Zeiten noch nicht zu überbrücken. Obwohl der Westfälische Frieden allen Konfessionen die gleichen Rechte zusicherte, durften die Reformierten in der lutherischen Kirche von Thaleischweiler laut einem Erlaß des hochfürstl. Hanauischen Consistoriums vom 18. März 1756 „nicht die geringsten Aktus Ministeriales" verrichten. Trotzdem wurden sowohl die Reformierten als auch die Katholiken nach wie vor zur Pfarrbesoldung und zu den Fronden für die Kirche herangezogen. Die Reformierten von Thaleischweiler und Fröschen waren nach Rieschweiler, die von Höheinöd nach Waldfischbach eingepfarrt, die Katholiken nach Rodalben und später nach Fehrbach. Erst im Jahre 1818 kam nach den geistigen und religiösen Strömungen wie Aufklärung bzw. Pietismus in der pfälzischen Union ein Zusammenschluß zwischen Lutheranern und Reformierten zustande. Damit war der Frieden zwischen den beiden protestantische Parteien hergestellt. Beide waren nun gleichberechtigte Mitglieder der Union. Durch die Abschaffung der Zehenden während der französischen Besetzung mußte die Besoldung der Pfarrer neu geregelt werden.
Die Pfarrpfründe                                          Staatsgehalt:                                 232 Gulden 02 Kr.
betrug im Jahr 1818:                                    Realitäten:                                    127 Gulden 39 Kr.
                                                                         Beitrag d. Gde. gl.                        232 Gulden 02 Kr.
                                                                         sonst. Gebühren                            40 Gulden   

.                                                                                                                                631 Gulden 43 Kr.

Das Gehalt wurde 1866 auf 800 Gulden erhöht.
Im Jahr 1888                                             Staatsgehalt:                                    397,71 Mark
ertrug die Pfründe:                                    Pfarrhaus-Anschlag                          34,29 Mark
                                                                      Pfarrgut-Anschlag                           210,26 Mark
                                                                      Sustentationsgelder                        980,98 Mark
                                                                                                                               1 623,24 Mark


Pfarrer Jäger war im Jahr 1808 nach Guntershofen versetzt worden. Seinem Nachfolger Karl Greiner, der 1810 nach Thaleischweiler kam (die Pfarrei wurde inzwischen durch Verweser versehen), war die längste Zeit, die je einem Pfarrer in unserem Ort beschieden war, im Amt. Er starb am 16. November 1851 nach 41jähriger Amtstätigkeit. Auf eine Besonderheit aus dieser Zeit soll an dieser Stelle hingewiesen werden. Im Jahr 1833 wurden die Gitterstühle in der Kirche auf sechs Jahre verpachtet. Die Nachfolger von Pfarrer Greiner, Michael Bruch (1852-1860) und Eugen Moschel (1860-1871) waren zugleich auch Distriktschulinspektoren für den Kanton Waldfischbach. Außer den Kirchenreparaturen in den Jahren 1874, 1897, 1902-1904 sind keine größeren Ereignisse aus der Pfarrei zu vermelden.
Im Jahr 1890 hatte das Presbyterium über die Einpfarrung der Protestanten von Petersberg, Fehrbach und Staffelhof zu entscheiden. Während die Einpfarrung von Petersberg und dem Staffelhof gutgeheißen wurde, wurde die von Fehrbach abgelehnt. Aber schon im Jahr 1912 gehörte das nur wenige Protestanten zählende Petersberg mit dem Staffelhof zur Pfarrei Waldfischbach, während Fehrbach bei Pirmasens eingepfarrt war. Seit 1956 gehört Petersberg mit zirka 20 Protestanten wieder zur Pfarrei.
Nach der Jahrhundertwende waren in Höheinöd Bestrebungen für den Bau einer eigenen Kirche im Gange. Aber erst im Jahre 1913 gingen die Wünsche in Erfüllung. Am 3. Juni fand der erste Spatenstich statt, und bereits am 20. Juli folgte unter großer Beteiligung der Bevölkerung die Grundsteinlegung. Die Einweihung war für den 30. August 1914 vorgesehen. Aber inzwischen war der 1. Weltkrieg ausgebrochen, so daß die Einweihung auf den 16. Mai 1915 (Exaudi) verschoben wurde. So erhebt sich die schmucke, im Renaissance-Stil gehaltene Kirche mit ihrem 32 Meter hohen Turm weithin sichtbar über die Sickinger Höhe. Höheinöd blieb aber weiterhin bei der Pfarrei Thaleischweiler, bis es im Jahr 1955 eine selbständige Pfarrei wurde. Die Einweihung fiel in die Zeit von Pfarrer Karl Friedrich Götz (1910-1917), dem Pfarrer Georg Biundo folgte (1919-1928).
In dessen Amtszeit wurde die Sakristei zu einer kleinen Ehrenhalle für die Gefallenen und Vermißten des 1. Weltkrieges ausgestattet (1924). Ein germanischer Krieger mit Schwert steht auf einer Gedenksäule mit der Inschrift „Unseren gefallenen Helden von 1914/18 zu Ehr und Gedächtnis gewidmet von der prot. Kultusgemeinde Thaleischweiler-Fröschen". Fünf Bronzetafeln an den Wänden tragen die Namen der Gefallenen und Vermißten. Der Raum war durch ein kunstvolles schmiedeeisernes Gitter von der übrigen Kirche getrennt. Heute steht das Ehrenmal auf dem Vorhof (Friedhof) der Kirche. In die Amtszeit von Georg Biundo fällt auch die Erbauung des neuen Pfarrhauses, das 1925 neben der Kirche begonnen und 1926 vollendet wurde.

Ein Vertreter der Bekennenden Kirche war der in Pirmasens geborene Pfarrer Heinz Wilhelmy, der im Jahr 1933 zur Pfarrei nach Thaleischweiler kam. Aufgrund seiner Einstellung gegen den Nationalsozialismus wurde er im November 1938 vorläufig seines Amtes enthoben, mit Gehaltssperre bestraft und ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel seiner Dienstentlassung eingeleitet. Im Mai 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und während des Krieges an verschiedenen Fronten eingesetzt. Nach dem Krieg übernahm er die Männerarbeit der Landeskirche, die ihm am 16. März 1953 hauptamtlich übertragen wurde.
In seine Amtszeit fiel die Erstellung einer neuen Warmluftheizung (1951), weil die alte Heizung, mit einer Heizungsanlage und einem Gebläse im Pfarrhaus, nicht mehr den gewünschten Erfolg zeitigte. Die Heizungsanlage sollte nicht wie bisher in dem Pfarrhaus, sondern in der Kirche selbst untergebracht werden, um einen besseren Effekt zu erzielen. Zu diesem Zweck wurde die Sakristei ausersehen. Der Bauleiter dieser Maßnahme war übrigens Christian Deffner. Bei den Ausschachtungsarbeiten stieß man in 60 cm und noch einmal in einem Meter Tiefe auf zwei ältere Fußböden, die mit Steinplatten abgedeckt waren. In einem Meter Tiefe sitzen auch die Säulen auf. Unter dem zweiten neu entdeckten Fußboden (ein Meter) kam ein altes 105 cm starkes Fundament zum Vorschein, das von der jetzigen südlichen Außenwand 55 cm und vom Kirchenschiff 2,50 Meter entfernt war. Zwischen diesem alten Fundament und der Außenmauer lagen in einer Tiefe von ca. 1,50 Meter etwa vier bis fünf unregelmäßig bestattete Kinderskelette. Zwischen dem alten Fundament und dem Kirchenschiff wurde zunächst die Westseite freigelegt. Dort wurde in einer Tiefe von 1,50 Meter eine große, allerdings beschädigte Steinplatte gefunden (0,82 mal 0,70 mal 0,18 Meter), auf der deutlich sichtbar eine Axt und eine Fußsohle eingehauen sind. Die Platte befindet sich heute im Pfälzischen Museum in Speyer. Über die Bedeutung dieser Zeichen sind sich die Gelehrten und Experten nicht einig geworden. Man vermutet, daß es sich hierbei in dieser Zusammenstellung um ein kaum bekanntes Rechtssymbol handelt, das von einer Gerichtstätte aus dem 14. Jahrhundert stammen dürfte. (Dr. Karl-Werner Kaiser, Bodendenkmalspflege, Speyer.)
Unter dieser Steinplatte lagen in einer Tiefe von 2,10 Meter acht regelmäßig bestattete Erwachsenenskelette. In Richtung gegen den Eingang zur Sakristei, also im östlichen Teil zwischen altem Fundament und dem Kircheninnern, lagen in einer Tiefe von 2,50 Meter schätzungsweise sieben bis acht mit Kalk bestreute unregelmäßig bestattete menschliche Skelette verschiedener Größen, die in drei Schichten quer übereinander lagen. Das läßt darauf schließen, daß die Bestatteten an einer Seuche gestorben sind.

Die beiden tieferliegenden Fußböden deuten darauf hin, daß der Friedhof um die Kirche, um weitere Bestattungen vornehmen zu können, ein oder sogar mehrere Male aufgefüllt wurde. Die Höhe des Fußbodens der Kirche wurde dann offensichtlich in etwa den neuen Gegebenheiten und Anforderungen angeglichen. Der Pfarrbeschreibung ist zu entnehmen, daß man früher eine Stufe in die Kirche hinaufgegangen sei, während man jetzt drei Stufen in die Kirche hinabgehe. Das erklärt auch die niedrige vermauerte Eingangspforte in der Südmauer östlich der Sakristei.
Das alte aufgefundene Fundament in der Sakristei läßt vermuten, daß diese nicht der allerälteste Teil der Kirche ist.

Ferdinand Traudt, der Nachfolger von Pfarrer Wilhelmy, ab Juni 1952 in der Pfarrei, war ein sehr rühriger und zielstrebiger Pfarrer. Zu der aus dem Jahr 1761 noch vorhandenen Glocke wurden im Jahr 1952 vier neue angeschafft. 1954 wurde die Kirche renoviert, wobei die Sakristei wieder in den Kirchenraum einbezogen und der Altar, der früher vor der Kanzel stand, vor die zwei rundbogigen Scheidbogen gesetzt wurde, die die Sakristei von dem übrigen Kirchenraum trennen. Das Ehrenmal für die Gefallenen wurde auf den alten Friedhof bei der Kirche versetzt. Die Fenster in der Seitenkapelle wurden von E. Klonk, Marburg, erneuert. 1955 wurde das Gemeindezentrum mit Kindergarten, Wohngebäude, Kultursaal und kleineren Jugendräumen errichtet. 1957 wurde in Höhfröschen eine neue Kirche im Rohbau erstellt und 1958 mit Geläute vollendet. Ein Jahr darauf erhielt die Kirche eine Orgel und Wand- und Mosaikmalerei. Damit hatten auch die Höhfröschener ihre eigene Kirche.
Im gleichen Jahr wurde am Kindergarten ein Anbau mit einer kleinen Wohnung und einem Jugendraum errichtet. Mit der Errichtung des Gemeindezentrums mit Kindergarten und Kultursaal hat sich die Pfarrei nicht nur auf kirchlichem, sondern auch auf sozialem und kulturellem Gebiet große Verdienste erworben; denn in dieser Zeit gab es in Thaleischweiler-Fröschen weder einen Kindergarten noch einen geeigneten Raum für kulturelle Veranstaltungen.
Unter Pfarrer Herbert Wagner (seit 1962), einem exzellenten Prediger, erhielt die Kirche 1964 eine moderne Warmluftheizung. Im Jahre 1971 wurde sie im Innern renoviert, die Orgel, die Kanzel und das Gestühl restauriert. Durch diese sehr gelungene Erneuerung hat der Innenraum der Kirche sein heutiges Aussehen erhalten.
Die protestantische Kirche ist ein charakteristischer Bestandteil des Ortsbildes unseres Dorfes. Dies wäre wahrscheinlich nicht in dem Maß der Fall, wenn die Generationen vor uns nicht immer wieder mit unsäglichen Opfern an Geld und Gut, an Arbeit und Mühen diese schöne alte, ehrwürdige Kirche durch die Jahrhunderte bis in die heutige Zeit herübergerettet hätten. Dafür sollten wir unseren Vorfahren heute noch dankbar sein.




                                                                                                                   

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