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Der Viehmarkt in Thaleischweiler vor dem Ersten Weltkrieg


Erzählung von Emil Ludy- Bearbeitet von Gerhard Reischmann

(aus dem Buch "750 Jahre Thaleischweiler-Fröschen)

Ein großer Feiertag für jung und alt war der Viehmarkt in Thaleischweiler. Welsch große Bedeutung dieser Viehmarkt für unseren Ort hatte, ist daraus ersichtlich, dass an diesem Tag für uns Kinder sogar schulfrei war. Ausschlafen allerdings konnten wir nicht. Wir Schulkinder trafen uns am frühen Morgen mit dem Lehrer vor der Schule, um im großen Zug zum Viehmarkt zu ziehen. Die älteren unter uns erhielten vom Bürgermeister bunte Fähnchen, die in den bayerischen Nationalfarben blau und weiß gehalten waren, da die Pfalz damals ja zu Bayern gehörte. Dann wurde Aufstellung genommen, und unter der Leitung des Lehrers ging es singend und fahnenschwenkend in Richtung Athletenplatz (auf dem Gelände der heutigen Firma Hüther), der für diesen Tag als Marktplatz zweckentfremdet wurde. Am Markplatz angekommen, stellten wir unsere Fähnchen um die Tribüne, die natürlich bei keinem Viehmarkt in der damaligen Zeit fehlen durfte. Nachdem wir also unseren Teil zur feierlichen Eröffnung beigetragen hatten, erhielten wir unsere obligatorische Brezel, und das Spektakel konnte seinen Lauf nehmen.

Die Bauern aus der gesamten Umgebung waren bereits auf dem Marktplatz versammelt. Sie hatten aus ihren Ställen das beste Vieh mitgebracht, und jeder hoffte natürlich, bei der Prämierung mit einem Preis bedacht zu werden.

Der offizielle Teil begann wie immer mit der Festrede des Bürgermeisters, der den Viehmarkt feierlich eröffnete. Danach begann die mit Spannung erwartete Prämierung durch eine Jury. Als ersten wurden der Jury die Kühe vorgestellt. Man führte sie aber auch im Kreis an den Besuchern des Viehmarktes vorbei um den anderen Bauern sein schönstes Vieh zu zeigen. Nach den Kühen wurden die Kälber und zum Schluss die Bullen vorgeführt. Die Jury verteilte danach die Preise, die in Form von Preisschildern und Fähnchen vergeben wurden. Selbstverständlich wurden die Preisschilder voller Stolz an den heimischen Stalltüren angebracht.

Nach dem offiziellen Teil der Prämierung ging man zum gemütlichen Teil des Viehmarktes über. In der sommerlichen Hitze flossen das Kühle Bier und der Wein naturgemäß in Strömen. DAs zechen, das Diskutieren über die Prämierugen und der "Tratsch" über das Ortsgeschehen brachten wie so oft nach einiger Zeit die Gemüter in Wallung. Und wie üblich gehörte zu einem zünftigen Viehmarkt auch eine zünftige Rauferei; sonst war das Fest ja nur die Hälfte wert. Die Gemüter beruhigten sich allerdings meist sehr schnell, spätestens dann, wenn sich in dem allgemeinen Trubel ein Bulle losriss. Jetzt war Eile geboten, sich hinter einer der dicken Kiefern vor den Hörnern des Bullen in Sicherheit zu bringen. Unter großem Spektakel wurde der Bulle dann gejagt und eingefangen, was wieder für genügend Gesprächsstoff an den großen Tischrunden sorgte. Am späten Nachmittag löste sich der Markt dann langsam auf, und die teilweise mit erheblicher "Bettschwere" versehenen Bauern begaben sich auf den oft langen Heimweg, nicht aber ohne sich wieder für den nächsten Viehmarkt zu verabreden.

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