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Wiederbesetzung der Pfarrei und 2. Aufbau der Kirche


Die Wiederbesetzung der Pfarrei durch Johann Christian Helmstetter war gleichzeitig ein Wendepunkt und die Voraussetzung für den Wiederaufbau der Kirche, der dem neuen Pfarrer besonders am Herzen lag. Bereits am 18. Februar 1721 machte er im Namen des Kirchspiels eine Eingabe an die beiden Herrschaften, in der er den elenden Zustand der Kirche schildert. Danach waren die Gewölbe eingefallen, der Turm fast ganz „übern Haufen gefallen", die Seitenwände geborsten, so daß man während des Gottesdienstes befürchten müßte, sie fallen einem über dem Kopf zusammen. Das Dach und die Seitenwände waren notdürftig mit Stroh gedeckt, so daß die Zuhörer dem Wind, Regen und Schnee sehr „exponiert" wären, und daß der Altar häufig voller Schnee läge. Bei dem letzten Abendmahl sei die Hostie vom Wind vom Altar geweht und zu Boden geworfen worden. Das übrige Gemäuer falle immer mehr und mehr zusammen, so daß man sich nur unter Lebensgefahr darin aufhalten könne. Viele Untertanen würden deshalb den Kirchgang meiden. Dieses Elend würde noch durch das Fehlen einer Glocke vermehrt. Daneben müßten das Pfarrhaus und die Pfarrscheuer neu errichtet werden. Er bat die hohen Herrschaften, in ihren Grafschaften eine Collecte zugunsten des Kirchenbaues in Eischweiler vorzunehmen45>
Am 5. Februar 1722 wurde nach wiederholter Eingabe des Pfarrers von Graf Joh. Reinhardt von Hanau eine allgemeine Kollekte in den hanauischen Grafschaften links und rechts des Rheins erlaubt. Sie erbrachte die Summe von 473 Gulden, einem Batzen und 14 Kreuzern, in den leiningischen Landen aber nur 25 Gulden. Hanau hat 400 Gulden in bar zugeschossen und außerdem Bauholz aus seinen Waldungen bereitgestellt. Was Leiningen, das jetzt mehr Interesse an Herschberg als an Thaleischweiler zeigte, gegeben hat, ist nicht bekannt. Das übrige, was der Bau mehr kosten würde, sollten die Gemeinden Eischweiler und Hohen Einöd nach ihrem selbstgemachten Angebot beischießen (wahrscheinlich auch Fröschen, das ebenfalls zur Pfarrei gehörte, aber nicht genannt ist.)
Damit waren die Voraussetzungen für den längst fälligen Wiederaufbau der Kirche geschaffen, der noch im Jahr 1722 begonnen wurde, nachdem die Kirche 90 Jahre in Schutt und Asche gelegen hatte. Der Aufbau dürfte 1723 im wesentlichen beendet gewesen sein, so daß sich in der Pfarrei wieder normale kirchliche Verhältnisse entwickeln konnten. Auch das Innere der Kirche wurde neu ausgestattet. Die Kanzel wurde, so wie sie sich uns heute noch darbietet, im Jahr 1724 angeschafft, wie eine Inschrift auf dem Schalldeckel beweist: „Gehorchet Euren Lehrern und folget Ihnen, denn sie wachen über Eure Seele, als die da Rechenschaft dafür geben sollen. Anno 1724." Aus der gleichen Zeit dürften auch der Altar sowie die Bänke stammen. Der Turm wurde allerdings noch nicht aufgebaut; er blieb in dem zerstörten Zustand bis zu den Jahren 1762/64 liegen.
Die über die Kollekte hinausgehenden Kosten, die die Gemeinden übernehmen sollten, sie wurden zunächst von der Kirchschaffnei Lemberg vorgestreckt, betrugen 89 Gulden, elf Batzen und 14 Kreuzer. Das von Hanau aus der Münchweiler Hochwaldung abgegebene Holz wurde mit 164 Gulden, zwölf Batzen veranschlagt, wovon die Herrschaft am 28. Mai 1725 auf Ansuchen 64 Gulden, zwölf Batzen nachgelassen hatte, so daß noch 100 Gulden zur Zahlung fällig gewesen wären. Um diese beiden Beträge entstanden zwischen der Amtsschaffnei in Pirmasens und den drei zur Pfarr gehörigen Gemeinden Differenzen, die über 20 Jahre währten, weil letztere auf dem Standpunkt standen, daß sie nichts mehr schuldig seien. Am 22. Juli 1728 wurde ein Zahlungsdecret erlassen. Die Lemberger Amts- und Kirchenschaffnei sah sich genötigt, nachdem alle Ermahnungen zwecklos waren und mit Güte kein Erfolg zu erzielen war, bei dem gemeinschaftlichen Amt Eischweiler klagbar gegen die Gemeinden vorzugehen mit dem Ziel, ein Vollstreckungsurteil zu erwirken, was auch am 16. Juni 1730 erreicht wurde. Die Untertanen hingegen baten in einer schriftlichen Eingabe, die Beträge auf die Leiningischen umzulegen, da diese nicht so viel zum Bau der Kirche beigesteuert hätten. Ein diesbezügliches Schreiben an Leiningen blieb jedoch unbeantwortet. Ein eifriger Verfechter der Interessen der Untertanen war Pfarrer Johann Andreas Rausch, der im Jahr 1730 nach dem Tode Helmstetters die Pfarrei übernommen hatte.
Die Angelegenheit mit dem rückständigen Holzgeld und dem durch die Kirchschaffnei Lemberg vorgestreckten Betrag war noch nicht ausgestanden und geklärt, als im Jahre 1734 neues Unglück über die Pfarrei hereinbrach. Bei einem heftigen Sturmwind wurden größere Schäden am Kirchendach und an den Fenstern verursacht, die wegen der Folgeschäden schleunigst beseitigt werden mußten. Vorher war ein herrschaftlicher Befehl ergangen, die rückständigen Beträge auf Grund der ergangenen Urteile einzutreiben. Durch die sofort durchzuführenden Reparaturen erhielten die drei Gemeinden noch einmal eine Galgenfrist. Im Jahr 1738 widersetzten sich die Eischweilerer der Eintreibung, die Hohen Einöder erklärten, es lieber auf eine Pfändung ankommen zu lassen, als in Güte zu bezahlen. 1742 gaben die Gemeinden eine Klage ein, die aber aufgrund angeblich falscher Angaben und Voraussetzungen zurückgewiesen wurde. Nach 20jährigen Spannungen erklärten sich die Gemeinden im Jahr 1743 endlich bereit, die 100 Gulden für das Holz, die vorgestreckten 89 Gulden, elf Batzen und 14 Kreuzer einschließlich der Zinsen und der Eintreibungsgebühren zu zahlen. Damit war der 20jährige Streit beendet.
Ein Ereignis aus dem Jahr 1725 ist vielleicht noch erwähnenswert. Beim Amtsantritt des Pfarrers Helmstetter im Jahr 1720 war die Pfarrbesoldung neu geregelt worden. Jeder Untertan in den drei Gemeinden versprach jährlich 1/2 Taler oder elf Batzen vier Pfennig, ein Schirmer aber die Hälfte zu zahlen. Nun hatten die Fröschener seit Michaeli (29. September) 1720 die festgelegte Abgabe nicht mehr abgeführt, so daß sich Pfarrer Helmstetter gezwungen sah, sich an den Grafen zu wenden, der auch sogleich den Amts- und Kirchenschaffner Fleischmann beauftragte, die Fröschener zur Zahlung anzuhalten, was dann auch geschah
Nachdem der Wiederaufbau der Kirche abgeschlossen war, fehlte immer noch ein Pfarrhaus. Im Jahr 1752 ergriff Pfarrer Rausch selbst die Initiative und baute auf eigene Kosten jenes Pfarrhaus, das im Jahr 1768 von dem Kirchspiel gekauft und erst im Jahr 1967 dem neuen Rathaus weichen mußte und abgerissen wurde.